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Armenische Väter - Reden des (Katholikos) Johannes Mandakuni
Vom Trost der Armen.

16.

Wenn du aber auch nichts hast, um den Bedrängten damit einen Trost zu verschaffen, so hast du doch ein Haus, in dem du die Fremden kannst ruhen lassen; du hast Wasser, womit du den Dürstenden einen Trunk reichen kannst; du hast Erbarmen und Mitleid, womit du die Niedergeschlagenen und Leidenden beweinen und beklagen kannst. Denn die Barmherzigkeit erstreckt sich weiter als die Verteilung des Reichtums. Aber du wirst eifersüchtig, wenn der Reiche aus seiner Fülle Opfer und Früchte darbringt. Doch der Arme kann den Reichen darin noch um vieles übertreffen. Bring dich selber Gott zum Opfer in Demut und Sündelosigkeit. „Ein demütiger Geist, das ist ein Opfer vor Gott1.“ Und das ist noch größer als Brandopfer der Widder und Stiere; denn ein heiliges und demütiges Herz nennt der Prophet ein Gott angenehmes und wohlgefälliges Opfer. Die drei Jünglinge brachten Gott ihren Leib und ihre Seele zum Opfer dar. Und wenn du den Reichen um den Gewinn seiner Erntefrüchte und seiner Weinlese (nicht?) beneidest, (was größer ist als alles Wohltun2, als Opfer und Almosen und als strenges Fasten, Gott Früchte bringen von seinen Erträgnissen auf der Tenne und von der Weinlese, die Gott als angenehmen Geruch hinnimmt, und wofür Gott das Haus und seine [S. 122] Arbeit segnet. Und ein Haus, aus dem keine Segensfrüchte in die Kirche gelangen und an die Priester und Kirchendiener, in dieses Haus kommt der göttliche Segen nicht, und nicht über seine Arbeiten, und mit einem solchen Haus geht es immer rückwärts. Deshalb befahl Gott dem Moses3: „Die Erstlinge deiner Früchte sollst du mir geben, den Erstwurf deiner Herde, von deinen Rindern und deinen Schafen sollst du mir weihen, auf daß ich alles, an was du deine Hand legst, vergrößere und vermehre.“ In gleicher Weise sagt Salomon: „Ehre den Herrn von deinen rechtschaffenen Arbeits(früchten) rund bring ihm dar die Früchte von deinen gerechten Erträgnissen“; er sagt: „Deine Scheunen sollen sich füllen mit Getreide, und von Wein sollen deine Kelter überfließen4“). Wenn also, o Armer, dir kein Vermögen zu Gebote steht, so bring du auch Früchte dar von deinen Gliedern. Eine Frucht von den Augen ist es, den Blinden zu führen und ihn zum Rechten zu leiten. Eine Frucht der Füße ist es, als Stab dem Lahmen zu dienen und die Not seiner Füße zu ersetzen. Frucht von den Händen ist es, den Gelähmten zu führen und die Schwachen zu unterstützen. Frucht von der Zunge ist es, den Irrenden zu lehren und den Betrübten zu trösten. Frucht von den Ohren ist es, rasch zu hören auf den Befehl des Bruders und ihm mit Ergebenheit des Willens zu gehorchen.

1: Ps. 50, 19 [Hebr. Ps. 51, 19].
2: Was in Klammer steht, findet sich in den anderen Handschriften nicht. Der Zusammenhang mit dem übrigen ist ein sprachlich loser, aber inhaltlich hat der Abschnitt seine gute Stelle im Gedankengang.
3: Vgl. Num. 18, 13.
4: Sprichw. 3, 1. 10.

 

 

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Einleitung zu den Reden des heiligen Johannes Mandakuni
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger