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Armenische Väter - Reden des (Katholikos) Johannes Mandakuni
Unterweisung über die Tugendübung des Fastens.

5.

Auch Moses erlangte durch das gleiche Fasten die Gesetzestafeln Gottes1. Denn durch das vierzigtägige Fasten reinigte er sich und würdigte sich, dem Makellosen zu nahen und von Mund zu Mund mit Gott zu sprechen wie mit einem Freunde.

Durch eben dieses strenge Fasten heiligte sich auch Elias, der Thesbite, und er öffnete und schloß mit seines Mundes Wort den Himmel und ließ Feuer vom Himmel fallen2.

Was soll ich noch von der Tugend des Fastens weiter sagen? War es (das strenge Fasten) doch selbst für den Leib des Herrn notwendig, der doch sündelos und makellos ist: nur um für uns ein Vorbild zu sein. Auch unsere Vorfahren (Altväter) erstarkten dadurch in der Tugend und offenbarten im menschlichen Leibe ein Leben der leiblosen Engel. Den irdischen Wünschen erstarben sie auf der Erde und lebten mit der Seele im Himmel. Sie bewahrten sich rein vor den vergänglichen Sinnesgenüssen, um unvergängliche Güter zu erben; von Haus und Besitz trennten sie sich, sie erduldeten viele Prüfungen und mancherlei Pein. In Hunger und Durst und ärmlicher Kleidung übten sie Abtötung: manche unter ihnen begnügten sich allein mit Pflanzenkost, manche nährten sich nur von Früchten. Manche aßen die Schosse der Baumzweige und die Wurzeln der Kräuter. Manche begnügten sich mit etwas Gemüse, manche mit drei Unzen Brot von Zeit zu Zeit, manche mit dem vierten Teil eines Brotes, manche mit dem sechsten; manche [S. 71] bereiteten sich Speise aus Kornkleie; manche stillten ihre Hungerqual nur mit dem Futter für die Schweine. Manche hielten die tägliche Teilnahme an der geistlichen Speise genügend für die Bedürfnisse des Leibes; dagegen war in ihnen die Lust nach jeder anderen Speise erstorben. So genossen manche nur von Zeit zu Zeit etwas, manche erst nach drei, manche nach sieben Tagen; bei manchen währte es noch länger, bis sich bei ihnen der Gedanke an Speise wieder einstellte. Auch das (Wenige) aßen sie nur nach bestimmtem Gewicht und tranken das Wasser nach bestimmtem Maß. Beständig seufzten sie und beteten und verherrlichten Gott; ganze Nächte verbrachten sie in Tränen und Schluchzen; durch inständiges Gebet und Seufzen versöhnten sie Gott. Manche umgürteten sich mit Stricken und so schliefen sie. Manche durchwachten stehend die Nacht; manche setzten sich nur ein wenig, manche hielten bis zum Morgen die Hände ausgebreitet; manche (beugten) den Hals und harrten so aus bis Tagesanbruch, manche verfaßten lange Gebete. Manche redeten nichts, sondern beteten nur Psalmen; manche redeten nur, wenn sie gefragt wurden; manche sprachen bloß, wenn es sich um den Nutzen ihres Freundes handelte, unter ständiger Arbeit und Gebet verbrachten sie den Tag; um sich geistliche Unterweisung zu verschaffen, machten sie weite Wege, ihre Feinde liebten sie wie Freunde; in ihrer Demut schätzten sie ihren Nächsten höher als sich, gehorsam gingen sie sogar ins Feuer und traten wilden Tieren entgegen; sie boten sich zum Dienste an für ihre Mitmenschen und fristeten mit ihrer anhaltenden Arbeit das Leben der Armen und Kranken. Durch Mäßigung (hielten) sie ihren Leib in Gewalt und legten dem Geiste Zügel an. So pflegten sie durch mancherlei und vielfache Abtötung die Tugend des Fastens.

1: Exod. 24, 18.
2: 3. Kön. 17, 18. 21-46 [= 1 Könige].

 

 

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Einleitung zu den Reden des heiligen Johannes Mandakuni
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger