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Armenische Väter - Reden des (Katholikos) Johannes Mandakuni
Unterweisungen über das Bekenntnis eines sündhaften Lebens.

9.

[S. 56] Lassen wir uns darum durch diese falschen Einflüsterungen nicht betrügen. Ungewiß ist der Tag des Todes, unbekannt der Austritt aus der Welt. Wie Geburtswehen überfällt er dich und du findest keine Zeit zur Reue und zur Buße. Er kommt wie ein Dieb in der Nacht und gibt dir keine Zeit zu weinen und zu büßen; wie das Netz der Vogelsteller ergreift er dich plötzlich und gibt dir keine Zeit zum Weinen, Klagen und zur Wohltätigkeit. Wie ein Löwe stürzt er sich auf dich, brüllt und beraubt dich, und du erreichst nichts mehr1. Was wirst du also tun, meine Seele, oder was wirst du anfangen, du, die du an das Gute denkst, es aber nicht übst, Wohltaten spenden willst, es aber verschiebst, die du angeblich bereuen willst, aber nicht wie David dein Lager mit Tränen benetzest? „Asche aß ich“, sagt er; „wie Brot, und meinen Trank mischte ich mit Tränen2“. (Alle) Ganze Nächte hindurch klagte er und weinte bitterlich in einem fort. Du bist bereit zum Fasten, gehst aber nicht in Sack und Asche wie die Niniviten3, sie sind auch zurückgekehrt von ihren Wegen und von ihren sündhaften Pfaden, die sie eingeschlagen hatten, heißt es4. Du möchtest Tränen vergießen und weinen, aber du klagst nicht mit einer Ergriffenheit wie die Ehebrecherin5; du willst den Bedrängten Wohltaten spenden, aber nicht wie die Witwe6, die alles aufwendete. Der Feuereifer der Buße nun liegt darin, daß jemand weder das Vermögen schont noch mit Anstrengungen den Leib, sondern sich quält, aufreibt und streng ist gegen sich und nur nach Verzeihung der Sünden verlangt und nach der Heilung der Krankheit der Seele; damit werden auch wir unsere Sünden auslöschen und unsere Seelenwunden heilen. Denn durch Fasten und enthaltsames Wachen sind die Sünden zu tilgen; auch durch Gebet und Flehen und innige Bitten sind die Sünden [S. 57] zu tilgen; durch Sack und Asche auch und durch Lager (Liegen) auf der Erde sind die Sünden zu tilgen; durch Weinen und Seufzen und Mitleid mit den Armen sind die Sünden zu tilgen; auch durch Klagen und Seufzen und unablässiges Jammern sind die Sünden zu tilgen; durch Milde, Demut und Gehorsam sind auch die Sünden zu tilgen; durch Armut, Dürftigkeit und Nacktheit sind die Sünden auch zu tilgen; durch gute Werke auch und Wohltun gegen alle sind die Sünden zu tilgen; auch durch Bruderliebe und Gottesfurcht sind die Sünden zu tilgen; durch rechte Unterweisung und Belehrung auch sind die Sünden zu tilgen gemäß dem Worte: „Wer einen abwendet vom Weg des Bösen, errettet seine Seele vom Tode und bedeckt die Menge seiner Sünden7.“ Aber auch die wahrhafte Umkehr allein und das richtige Bekenntnis reichen hin zur Rettung und Gerechtigkeit8 nach dem Ausspruch: „Bekenne zuerst deine Ungerechtigkeit, damit du gerechtfertigt werdest9!“

1: Pred. 9, 12. 1 Thess. 5, 1 ff. Offenb. 16, 15.
2: Ps. 6, 7. 101, 10 [Hebr. Ps. 6, 7. 102, 10].
3: Jon. 3, 5.
4: Jon. 3, 8. Vgl. Is. 53, 6.
5: Joh. 8, 3 ff. Luk. 7, 38.
6: Mark. 12, 41. Luk. 21, 2.
7: Jak. 5, 20.
8: Die Worte: „Reichen hin zur Erlösung und Gerechtigkeit“ fehlen in Handschriften.
9: Sprichw. 28, 13?

 

 

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Einleitung zu den Reden des heiligen Johannes Mandakuni
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger