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Armenische Väter - Homilie über die Auferweckung des Lazarus

10.

Als Martha hörte, daß Jesus komme, ging sie ihm entgegen, und Maria saß dort im Hause. Beide haben so sich des Lobes und Segens teilhaftig gemacht. Die eine wurde gleichsam der Mund des Menschen, die andere gleichsam das Herz, das Gefäß des Geheimnisses. Das Herz ist an einem festen Orte eingebettet. Das Wort drängt heraus als Dolmetscher des Herzens, und es gibt die Bitten des trauernden Herzens den Ohren derjenigen kund, welche die Trauer aus dem Haus ihrer Geliebten entfernen können. Das Wort wußte, daß alle Tröster derselben gekommen waren und sich versammelt hatten, und daß sie alle selbst voll Sorge und Traurigkeit waren. Der Trauernde kann den Trauernden nicht trösten und aufrichten, sondern weckt neue Trauer zur alten. Verliere die Fassung nicht, sagten sie, verzweifle nicht, mein Bruder war noch jünger als er gestorben, dieser hatte gerade seine Braut heimgeführt, ohne Nachkommenschaft mußte er von der Welt scheiden und vorübergehen; es blieb keiner, sein Andenken zu erhalten, sein Name und die Erinnerung an ihn ward hinweggenommen aus der Mitte der Lebendigen. Dann drängte eine Frau sich vor und sagte: Ich hatte einen einzigen Sohn. Da starb er, Mann und Bruder und Schwester hatte ich nicht; und dieses Kind in der Blüte wie eine reiche Blüte verdorrte es; es kam nicht in die Stadt seines Vaters, es gelangte nicht zur Hochzeit, es lernte die Freuden der Welt nicht kennen; seine Kraft erstarb, zerstört und untergegangen ist die Ordnung seiner vertragsgemäßen Nachfolge. Andere brachten noch jammervollere Erinnerungen vor. Sie brachten das Herz zum Stocken, die Eingeweide zur [S. 16] Erschütterung, die Nieren zum Zittern, die Nerven erlahmten, die Bänder lösten sich, alle Kräfte des Leibes erschlafften und versagten. Weh über Weh, Seufzen über Seufzen, Brennen auf Brennen, Glut über Wunden, Foltern in der Stunde der Schmerzen. Ist es recht, solche Reden als Trost hinzustellen, oder nicht? Ich weiß es nicht. Einen Menschen zu trösten, waren sie gekommen, und alle saßen da in untröstlicher Traurigkeit.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu Mambre Verzanogh, Homilie über die Auferweckung des Lazarus

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger