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Armenische Väter - Homilie über die Auferweckung des Lazarus

18.

Jesus sprach: „Entfernet den Stein von der Öffnung des Grabes.“ Er, vor dem die Himmel zittern, und die Berge schmelzen, verlangt Hilfe von den Menschen zur Entfernung eines kleinen Felsstückes? Nein nicht Hilfe, sondern Zeugen. Die Mitwirkung, welche er bei den Menschen eintreten ließ, mit seinen Tränen, verlangt in Hinsicht auf das Felsstück seine Aufforderung zur Entfernung desselben. Die Erde bebauen die Menschen, und den Himmel haben die Engel inne. Nun war der Herr der Engel und Menschen an diesen Ort gekommen. Engelhilfe jedoch bedurfte es nicht bei dieser Gelegenheit. Jenen aber, welche auf Erden zu wirken gewohnt waren, gab er Befehl, indem er sprach: „Ihr, schaffet den Stein hinweg, und sehet hinein in das Grab, ob drinnen ein Toter liegt, oder nur ein Leidender den Anblick des Toten bietet. Euere Augen sollen morgen Zeugen sein, euere Rücken für die Schwere des Felsstückes, euere Augen für den toten Leib, und der Geruch der Fäulnis in den Nasen aller, die ihr euch nähert. Bei einer solchen Menge von Zeugen könnt ihr dann auch die Auferstehung und die Schau des Toten nicht ableugnen.“ Er kannte ihre bösen Gewohnheiten und verhinderte ihre Lästerungen von allen Seiten. Das gleiche Zeugnis gab auch die Schwester des Toten ab. „Herr,“ sagte sie, „er riecht schon, denn er ist schon viertägig (tot). Jesus sagte: „Habe ich dir nicht gesagt, du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen?“ Für die Menschen entsteigt Modergeruch vom Toten, für Gott vom Sünder. Alle Welt ist zumal voll Fäulnis. Er aber verschmähte sie nicht, noch wandte er sein Antlitz von ihr, sondern würzte alles durch seinen Wohlgeruch. Für den Pflanzer hat der faulende Samen keinen Modergeruch, sondern sein Sinn freut sich, weil die Sinne sich erquicken am Wohlgeruch des Feldes. Ein treffliches Beispiel davon ist Isaak, als er nach Esau forschte und Jakob segnete. Was du Verwesung genannt hast, o Martha, daraus soll hervorsprossen das ewige Leben der [S. 23] Menschen. Glaube nur zweifellos an Gott, dann wird auch dich der süße und lebendige Geruch treffen, so herrlich und glänzend, daß du daran die Herrlichkeit Gottes mit deinem Glauben sehen kannst. Wenn auf ein Erdreich kein Samen gefallen ist, dann mag der Regen noch so reichlich auf es fallen, es wird keinen Weizen und keine Gerste hervorbringen; und ist in ein Grab kein Toter gebettet, dann können noch so viele himmlische Posaunen ertönen, niemand wird an ihm die Auferstehung eines Toten erblicken. Doch wenn der (einst) Lebende tot ins Grab gelegt ward, da bestätigst du den Tod und der Herr verspricht lebendig das Leben und weckt zur Auferstehung. Verdopple und verdreifache dieses Zeugnis, damit den lästerhaften Menschen der Mund gestopft werde, wenn sie den vier Tage Toten zum Leben erweckt auf den Straßen sehen. Wegen des Geruches darfst du nicht zweifeln am Herrn aller Dinge. Er ist ein Salz des Wohlgeschmacks für jeden gefallenen Leib, er ist ein durchdringendes Licht für alle erblindeten Augen, er ist Stimme und Öffnung für alle ertaubten Ohren. Heute wirst du das an deinem geliebten Bruder sehen. Ihn wirst du mit den Augen sehen, und mit dem Geiste die Herrlichkeit des Herrn erfassen.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu Mambre Verzanogh, Homilie über die Auferweckung des Lazarus

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger