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Armenische Väter - Homilie über die Auferweckung des Lazarus

11.

Diese ganze Menge hatte Martha verlassen und sprach zu Jesus: „Herr, wenn du hier gewesen wärest, wäre mein Bruder nicht gestorben; aber auch jetzt weiß ich, daß Gott alles, was du von ihm erbitten wirst, dir geben wird.“ Weisheit des Geistes, göttliche Liebe, wahrer Glaube und untrügliche Weissagung, das sind vier echte Geschwister. Denn es ist einer, der sie weckt, Gott; wie auch derselbe Künstler mit einem Mund bläst, bald leicht, bald stark, und bald noch stärker, jeweils nach der Ordnung; obwohl es viele sind, klingt es doch wie eine Stimme und nicht wie viele; und gemäß der Bewegung der Hand kommen die verschiedenen Stimmen zur Entwicklung, und bringen alle zusammen ein und dasselbe Ganze hervor. So war es auch mit Maria, Martha und Lazarus, dem verstorbenen, und wenn sonst noch jemand Gläubiger im Hause dort war, mochten sie auch einzeln sich aussprechen, ein Glaube war bei ihnen allen, mit gleicher Liebe liebten sie alle Christus, und dieselbe geistliche Weisheit besaßen sie alle. Aus dem übereinstimmenden (Geiste) der vielen weissagte Martha und sprach: Herr, wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben. Wo das Leben herrscht, kann der Tod keinen Eingang finden. Oftmals war der Herr bei Maria und Martha eingekehrt, da ward der Tod aus dem Dorfe verscheucht und noch vielmehr aus dem Hause. Sie sagte das mit himmlischer Weisheit: „Denn, wer einen Propheten aufnimmt im Namen eines Propheten, wird den Lohn des Propheten empfangen.“ Wer aber Gott aufnimmt, der wird die himmlische Weisheit erlangen. Aus der Weisheit erfloß die Weissagung, und sie sprach: „Aber auch jetzt weiß ich, daß, um was immer du Gott bitten wirst, er es dir geben wird.“ Dieses Wort [S. 17] war eine Weissagung. Denn alles hat er dargeboten und begründet, um es dir zu geben, nicht allein die Auferstehung dieses einzelnen Toten, sondern auch die der früher Entschlafenen der vergangenen Jahrhunderte. Doch vielleicht möchte es jemand ein leichtsinniges Wort dünken, sei es das Wort vom Bitten vor Gott, sei es das Wort vom Gewähren. Aber das hat der Herr auch selbst gesagt: „Alles ist mir vom Vater übergeben worden.“ Und den Sinn dieses Satzes bekräftigt der andere: „Niemand kennt den Vater als nur der Sohn, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater.“ Dieser Satz lehrt die Übereinstimmung, nicht aber das Ältersein oder das Jüngersein. Deswegen stimmte auch der Herr dem Glauben der Martha zu; es sprach zu ihr Jesus: „Dein Bruder wird auferstehen.“ Martha entgegnete ihm: „Ich weiß, daß er auferstehen wird am Jüngsten Tage.“ Und der Herr offenbarte ihr zugleich das Letzte und das Erste: „Ich bin ja die Auferstehung und das Leben.“

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu Mambre Verzanogh, Homilie über die Auferweckung des Lazarus

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger