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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Schriften über "Göttliche Namen" (De divinis nominibus)

Elftes Kapitel: Über den Frieden, über die Bedeutung der Ausdrücke: das absolute An-und-für-sich-Sein, das Leben-an-sich, die Macht-an-sich und den Gegenstand solcher Benennungen

§ 1.

Nun wohlan, laßt uns den göttlichen Frieden, den Urquell aller friedlichen Vereinigung,1 in Friedenshymnen laut verkünden! Er ist es ja, welcher alles einigt und die Eintracht und Harmonie des Universums erzeugt und auswirkt. Deshalb begehrt auch alles nach ihm: er wendet die zerteilte Vielheit der Dinge zur Gesamteinheit und einigt den innerlichen Streit im Weltall zu einträchtigem Zusammensein. Infolge der Teilnahme am göttlichen Frieden einigen sich die vornehmeren der vereinigenden Mächte in sich selbst und untereinander und mit dem einen Urfrieden des All. Die ihnen untergeordneten Dinge einen sie dann sowohl in sich selbst, als auch gegenseitig und mit der einen und allvollkommenen Urquelle und Ursache des allgemeinen Friedens. Dieser aber ist ungeteilt über das Universum hinergossen und umschließt gleichsam wie mit Riegeln, die das Getrennte zusammengefügt halten, alle Welt, grenzt sie ab, stellt sie sicher und läßt nicht zu, daß sie auseinanderfalle und ins Endlose und Grenzenlose versinke, so daß alle Dinge ungeordnet würden, ihre Grundlage verlören, aus Gottes Vorsehung kämen,2 aus ihrer eigenen Einigung herausstürzten und untereinander cha- [S. 142] otisch sich verwirrten. Über Gottes Frieden und Ruhe selbst nun, welche der heilige Justus Lautlosigkeit und Unbewegtheit bei allem erkennbaren Hervortreten nennt, wie dieser Friede stille ist und Ruhe hält, wie er in sich und innerhalb seiner selbst ist und wie er in sich selbst ganz und gar übereinig geeint ist, und wie er, weder wenn er in sich selbst eingeht, noch wenn er sich vervielfältigt, seine eigene Einigung verliert, sondern auch in der Weise in alles hervortritt, daß er wegen der Überfülle der alles übertreffenden Einigung ganz in sich innerlich verbleibt, das ist keinem Sterblichen zu sagen oder zu denken weder gerecht noch möglich. Wir wollen vielmehr auch diese Frage als unaussprechlich und unerkennbar dem göttlichen Frieden, da er über alles hinausliegt, anheimgeben und nur die erkennbaren und sagbaren Mitteilungen desselben ins Auge fassen, soweit es Menschen und uns, die wir hinter vielen guten Männern zurückstehen,3 möglich ist.

1: ἡ θεία ἀρχισυνάγωγος εἰρήνη.
2: ἔρημα θεοῦ γιγνόμενα vgl. Plato θεῶν ἔρημα εἶναι πάντα.
3: ήμῖν πολλῶν ἀνδρῶν ἀγαθῶν ἀπολειπομένοις; vgl. zu dieser Demutsformel DN. III 2.

 

 

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Dionysius Aeropagita über heilige Namen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger