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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Schriften über "Göttliche Namen" (De divinis nominibus)
Siebentes Kapitel: Über die Weisheit, den Verstand, die Vernunft, die Wahrheit, den Glauben

§ 3.

Hierbei ist nun zu fragen, auf welche Weise wir Gott erkennen, da er weder Gegenstand des verstandesmäßigen Erkennens noch einer Sinneswahrnehmung noch überhaupt etwas von den Dingen ist. Dürfte also nicht in Wahrheit zu behaupten sein, daß wir Gott nicht aus seiner eigenen Natur erkennen (denn das ist etwas Unerkennbares und Vernunft und Verstand allenthalben übersteigend), wohl aber aus der Ordnung und Einrichtung des ganzen Universums, indem wir, da sie von ihm vor Augen gelegt ist und gewisse Nachbildungen und Ähnlichkeiten seiner göttlichen Eigenschaften enthält, zu dem all überragenden Wesen auf methodischem Wege nach unsern Kräften emporsteigend, alles von ihm negieren und es über alles erheben und als die Ursache von allem betrachten. Deshalb wird auch Gott in allem und hinwieder gesondert von allem erkannt. Sowohl durch Kenntnis läßt sich Gott erkennen als auch durch Unkenntnis.1 Es gibt von ihm Erkenntnis, Verstehen, Wissenschaft, Berührung, Sinneswahrnehmung, Meinung, Phantasie und Name und alles andere, und doch wird er nicht erkannt noch ausgesprochen noch genannt. Er ist nichts von allem, was existiert, und wird in keinem der existierenden Dinge erkannt. Er ist in allem alles [S. 120] und in keinem Dinge etwas, wird aus allen Dingen von allen erkannt und aus keinem Dinge von irgendjemand erkannt. Denn mit Recht machen wir auch solche positive und negative Aussagen von Gott und auf Grund von allem Seienden wird er gemäß der Ähnlichkeit von allem, dessen Ursache er ist, gefeiert. Und die göttlichste Erkenntnis Gottes ist hinwieder diejenige, welche gemäß der überintellektuellen Einigung durch Unkenntnis vermittelt wird, wenn nämlich der Intellekt, von allem Seienden zurücktretend und dann sich selbst verlassend, mit den überhellen Strahlen geeint, von dorther und dort mit der unerforschlichen Tiefe der Weisheit bestrahlt wird. Und doch ist diese, wie schon gesagt, auch aus allem zu erkennen, denn sie ist es, die nach dem Schriftwort alles schafft und immerdar alles füglich ordnet,2 die Ursache des unlösbaren Gefüges und der Ordnung des Alls. Sie verknüpft allezeit die Enden der höheren Ordnung mit den Anfängen der tieferen und stellt eine Eintracht und Harmonie des Ganzen auf schöne Weise her.

1: καὶ διὰ γνώσεως ὁ θεὸς γινώσκεται καὶ διὰ ἀγνωσίας … ἡ θειοτάτη τοῦ θεοῦ γνῶσις ἡ δἰ ἀγνωσίας γινωσκομένη. Dasselbe wiederholt in MTh. I. II. V.
2: Sprichw. 8, 26 ff.; Weish. 7, 18 ff. ἡ πάντων ποιητικὴ (σοφία).

 

 

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Dionysius Aeropagita über heilige Namen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger