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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Schriften über "Göttliche Namen" (De divinis nominibus)
Erstes Kapitel: Zweck der Abhandlung. Überlieferung göttlicher Namen.

§ 8.

Ja die Hagiographen feiern nicht bloß diejenigen Gottesnamen, welche von den allgemeinen oder besondern Akten der Vorsehung oder ihrer Objekte abgeleitet sind, sondern auch nach manchen gelegentlichen göttlichen Visionen, durch welche in den heiligen Tempeln oder sonstwo die Mysten oder die Propheten erleuchtet worden sind, benennen sie, entsprechend diesen und jenen Ursachen und Kräften, die überklare und über- [S. 31] namige Güte. Sie legen ihr menschliche Gestalt und Bildung bei, sei es von Feuer oder Elektron, und feiern ihre Augen, Ohren, Haare, Angesicht, Hände, Flügel, Arme, Rücken und Füße. Auch Kränze, Ruhesitze, Becher, Mischkrüge und manche andere mystische Gegenstände legen sie ihr bildlicherweise bei, worüber wir in der „Symbolischen Theologie“ nach unserm Vermögen sprechen werden. Jetzt aber wollen wir alles, was zur vorliegenden Abhandlung gehört, aus den heiligen Schriften zusammensteilen und, indem wir das Gesagte zur Richtschnur nehmen und fest im Auge behalten, zur Erklärung der intelligiblen Gottesnamen übergehen und die gottförmigen Schauungen mit gottschauendem Sinne epoptisch, um das zuständige Wort zu gebrauchen, erfassen.1 Und heiliges Gehör wollen wir den Erklärungen der heiligen Gottesnamen leihen, indem wir gemäß der göttlichen Überlieferung das Heilige auf das Heilige gründen und es dem Gelächter und Spott der Uneingeweihten (Profanen) entziehen oder vielmehr eben diese Menschen, wenn es anders derartige überhaupt gibt, von dem Kampfe gegen Gott in dieser Sache fernhalten. Diese Vorsicht mußt nun du, lieber Timotheus, gemäß der heiligsten Satzung beachten und die göttlichen Geheimnisse weder in Wort noch Werk den Uneingeweihten mitteilen. Mir aber möge Gott verleihen, gottgeziemend die heilwirkenden göttlichen Namen der unaussprechlichen und unbenennbaren Gottheit zu feiern, und er möge das Wort der Wahrheit nicht von meinem Munde nehmen!
[S. 31]

1: ἐποπτεία (ἐποπτεύειν) bedeutet den höchsten Weihegrad in den eleusinischen Mysterien.

 

 

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Dionysius Aeropagita über heilige Namen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger