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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Schriften über "Göttliche Namen" (De divinis nominibus)
Erstes Kapitel: Zweck der Abhandlung. Überlieferung göttlicher Namen.

§ 5.

Nun aber, wenn der göttliche Strahl für jegliche Rede und jegliche Erkenntnis zu erhaben ist und überhaupt über jeden Verstand und jede Erkenntnis hinausgerückt liegt, indem er zwar alles umfaßt, verbindet, einschließt und im vorhinein enthält, selbst hingegen durchaus unfaßbar ist, und wenn es keine Sinneswahrnehmung, keine Phantasievorstellung, keine Meinung, keinen Namen, kein Wort, keine Berührung, kein Wissen von ihm gibt, wie wird dann von uns die Abhandlung über „Göttliche Namen“ verfaßt werden, da die überwesentliche Gottheit als unbenennbar und über jeden Namen erhaben sich erweist? Allerdings können wir, wie wir sagten, als wir die „Theologischen Grundlinien“ darlegten, das Eine, das Unerkennbare, das Überwesentliche, das Gute-an-sich, was es nämlich wirklich ist, weder aussprechen noch erkennen, ich meine die dreipersönliche Einheit,1 ihre (den Personen) gemeinsame Gottheit und gemeinsame Güte. Aber auch die den Engeln entsprechenden Einigungen der heiligen Mächte, muß man sie (diese Einigungen) nun Berührungen oder Aufnahmen2 der überunerkennbaren und überklaren Güte nennen, sind unaussprechbar und unerkennbar und nur in den Engeln selbst vorhanden, die über Engelerkenntnis hinaus derselben (Einigungen) gewürdigt sind. Durch solche Berührungen einigen sich die gottähnlichen Geister (Geistseelen) soweit als möglich in Nachahmung der Engel (mit Gott) — denn unter dem Aufhören jeder Denktätigkeit vollzieht sich diese Einigung der vergot- [S. 28] teten Geister mit dem übergöttlichen Lichte —, und sie preisen es so auf die zutreffendste Weise durch das Negieren alles Seienden. Denn infolge der seligsten Einigung mit ihm sind sie wahr und übernatürlich darüber erleuchtet, daß das Göttliche von allem Seienden die Ursache, selbst aber nichts davon ist, weil über alles überwesentlich enthoben. Die urgöttliche Überwesenheit darf nach dem, was die Übersubstanz der Übergüte ist, niemand aus den Liebhabern der alle Wahrheit übersteigenden Wahrheit als Wort oder Kraft oder Geist oder Leben oder Wesen preisen, sondern nur als überhoch hinausgerückt über jegliche Beschaffenheit, Bewegung, Leben, Phantasievorstellung, Meinung, Name, Wort, Gedanke, Erkenntnis, Wesen, Stand, Stellung, Einigung, Ende, Unendlichkeit, kurz über alles, was ist. Weil aber die Gottheit als die subsistierende Güte unmittelbar durch ihr Sein die Ursache von allem Seienden ist, so muß die urgütige Vorsehung der Urgottheit von allen verursachten Wesen gepriesen werden. Denn um sie ringsumher und um ihretwillen ist alles, und sie selbst ist vor allem, und in ihr hat das All seinen Bestand.3 Ihr Sein ist es, durch welches die Hervorbringung und Subsistenz des Weltganzen4 begründet ist, und sie ist es, wonach alles hinstrebt, die geistigen und denkenden Wesen auf intellektuelle Weise, die ihnen untergeordneten auf dem Wege der Sinneswahrnehmung, die übrigen durch lebendige Bewegung oder durch die geeignete Beschaffenheit ihres Wesens und Zustandes.5

1: τὴν τρισσὴν ἑνάδα, der klassische Terminus seit einem Gregor von Nazianz u. a.
2: εἴτε ἐπιβολὰς εἴτε παραδοχὰς χρὴ φάναι. Das gleiche Synonymum παραδοχαί für ἐπιβολαί gebraucht auch Plotin (Koch S. 174).
3: Dionysius variiert nach allen Richtungen — in häufiger Wiederholung — Röm. 11, 36 ἐξ αὐτοῦ καὶ δι’αὐτοῦ καὶ εἰς αὐτὸν τὰ πάντα.
4: ἡ τῶν ὅλων παραγωγὴ καὶ ὑπόστασις.
5: Vgl. Prokl. Inst. theol. 39 πᾶν τὸ ἢ οὐσιωδῶς ἐπιστρέφει (πρὸς τὸ θεῖον) ἢ καὶ ζωτικῶς ἢ καὶ γνωστικῶς.

 

 

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Dionysius Aeropagita über heilige Namen
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger