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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Angeblicher Brief an den Mönch Demophilus (Ad Demophilum)
An den Mönch Demophilus
Über eigenmächtiges Handeln und Milde

§ 4.

Du selbst also setze der Leidenschaftlichkeit, dem Zorne und der Rede die gebührende Grenze, dir aber sollen es die göttlichen Liturgen tun, diesen die Priester, den Priestern die Hierarchen, den Hierarchen die Apostel und Nachfolger der Apostel. Und wenn irgend einer unter ihnen von dem geziemenden Wege abweichen sollte, wird er von den Heiligen der gleichen Rangstufe zurechtgewiesen werden, nicht wird die eine Ordnung wider die andere sich kehren, sondern jeder wird in seiner eigenen Ordnung und in seinem Dienstkreise verbleiben. Soviel sei dir von uns gesagt, damit du wissest und tuest, was dir zusteht. Was aber dein unmenschliches Benehmen gegen jenen Menschen betrifft, den gottlosen und frevelhaften, wie du ihn nennst, so weiß ich nicht, wie ich den tiefen Fall meines Lieblings genugsam beweinen soll. Denn wer meinst du, daß jener sei, als dessen Therapeut (Diener im Mönchsstande) du von mir eingeweiht worden bist? Wenn du nämlich nicht als Diener des Guten geweiht worden, dann bist du notwendig uns und unserm ganzen Kult Gottes entfremdet. Dann ist es Zeit für dich, einen andern Gott zu suchen und andere Priester, und daß du bei ihnen eher mit tierischer Wildheit als mit heiliger Weihe bekleidet werdest und ein unversöhnlicher Knecht deiner beliebten Unmenschlichkeit seiest. Sind wir [S. 183] nicht selbst für das ganz und gar Heilige geweiht worden und bedürfen wir nicht für uns selbst der göttlichen Menschenfreundlichkeit? Oder wollen wir die doppelte Sünde, wie die Schrift sagt, nach Art der Gottlosen begehen, nicht wissend, worin wir anstoßen, und uns auch noch entschuldigend und doch zu sehen glaubend, während wir nicht sehen? Der Himmel erstaunte hierüber, und ich erschauderte. Wisse es wohl, wenn ich nicht deinen Brief in die Hände bekommen hätte — o daß es doch nicht geschehen wäre1—und wenn irgendwelche andere Leute mich über deinen Fall zu überzeugen für nötig erachtet hätten, so hätten sie mich nicht überzeugt, daß Demophilus glaubt, der gegen alles gütige Gott sei nicht auch menschenfreundlich, und er (Demophilus) selbst bedürfe nicht des erbarmungsvollen und rettenden Gottes. Aber sogar den Priestern spricht er die Gültigkeit ihrer Wahl ab,2 die gewürdigt sind, die Unwissenheit des Volkes in Güte zu ertragen, wohl wissend, daß auch sie mit Schwachheit behaftet sind. Der urgöttliche Weihespender geht einen ganz andern Weg. Und hierin, wie die Schrift sagt, von den Sündern abgesondert,3 erklärt er als Beweis der Liebe zu ihm die rechte milde Hirtensorge für die Schafe.4 Böse nennt er den Knecht, der seinem Mitknecht die Schuld nicht nachließ und nicht einmal zum Teile an der ihm selbst erwiesenen übergroßen Güte Anteil gewährte. Da hielt es der Herr für angemessen, daß der (böse) Knecht auch das Seine nicht zu genießen bekam. Vor solchem Gebaren muß ich und muß Demophilus auf der Hut sein. Sogar seinen gottlosen Feinden erbittet [S. 184] Jesus gerade in der Stunde seines Leidens vom Vater Verzeihung5 und tadelt anderseits die Jünger, weil sie mitleidlos gefordert hatten, daß er die Samariter, die ihn verfolgten, verdamme.6 Das ist in der Tat das tausendmal in deinem Briefe Wiederholte — von Anfang bis zu Ende redest du davon —, daß du nicht dich selbst, sondern Gott gerächt habest. Sage mir, ob durch böses Handeln den Guten?

1: Dieser starke Ausdruck καὶ τοὺς ἱερεῖς ἀποχειροτονεῖ nicht rhetorische Übertreibung, sondern bezieht sich auf tatsächliche Fälle, daß eifernde Mönche den Priestern, die ihnen das Pneuma zu entbehren schienen, die Priesterwürde aberkannten.
2: Hebr. 7, 26.
3: Joh. 10, 14; Luk. 15, 6.
4: Matth. 18, 32 f.
5: Luk. 23, 34.
6: Luk. 9, 52—56.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Angeblicher Brief des heiligen Dionysius Areopagita an den Mönch Demophilus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger