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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Angeblicher Brief an den Mönch Demophilus (Ad Demophilum)
An den Mönch Demophilus
Über eigenmächtiges Handeln und Milde

§ 2.

Wie also, sagst du, muß man nicht solche Priester, die gottlosen Tuns oder sonst irgendeiner ungehörigen Handlung überführt sind, zurechtweisen? Soll es ihnen, die im Gesetze sich rühmen, allein erlaubt sein, durch die Übertretung des Gesetzes Gott zu verunehren?1 Wie sind denn die Priester Dolmetscher Gottes? Wie werden sie denn dem Volke die göttlichen Tugenden predigen, da sie deren Bedeutung nicht kennen? Oder wie werden sie, die verfinstert sind, Licht verbreiten? Wie werden sie den göttlichen Geist mitteilen, wenn sie weder in Haltung noch in Wahrheit an ihn glauben?2

Ich werde dir auf diese Einwände eine befriedigende [S. 180] Antwort geben, denn Demophilus ist mir nicht verhaßt und ich werde es nicht dahin kommen lassen, daß du vom Satan betrogen wirst. (Höre also), daß jede um Gott stehende Ordnung (der Engel) größere Gottähnlichkeit besitzt als eine entferntere, daß lichtreicher und reicheres Licht spendend ist, was dem wahren Lichte näher steht. Verstehe das Nahesein aber nicht im räumlichen Sinne, sondern als die Empfänglichkeit, Gott aufzunehmen. Wenn nun die Ordnung der Priester die lichtspendende ist, so ist der, welcher nicht lichtspendend ist, ganz und gar der priesterlichen Rangstufe und Gewalt unteilhaftig. Und noch mehr fürwahr der Unerleuchtete. Mir wenigstens scheint ein solcher vermessentlich an den priesterlichen Funktionen sich zu vergreifen. Er fürchtet und schämt sich nicht, unwürdig an das Göttliche sich heranzudrängen; er glaubt, Gott wisse nicht, wessen er sich selbst bewußt ist; er vermeint, den betrügen zu können, den er mit unwahrem Namen seinen Vater nennt; er wagt es, seine verfluchten Blasphemien — denn ich möchte sie nicht Gebete nennen — bei der Feier der göttlichen Symbole (Geheimnisse) gleichwie Christus auszusprechen. Nicht Priester, nicht Priester ist ein solcher Mensch, sondern ein Feind, ein Betrüger, ein Spötter seiner selbst, ein Wolf, der gegen die Herde Christi mit dem Schafspelz sich ausgerüstet hat.3

1: Röm. 2, 23.
2: Apg. 19, 2. Vgl. zu diesen Einwürfen „Einleitung“.
3: Matth. 7, 15. — Dionysius bekennt sich hier zu der Ansicht, daß persönliche Unwürdigkeit der priesterlichen Gewalt verlustig mache.

 

 

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Einleitung: Angeblicher Brief des heiligen Dionysius Areopagita an den Mönch Demophilus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger