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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Kirchliche Hierarchie (De ecclesiastica hierarchia)
5. Kapitel: Über die priesterlichen [Rangstufen, Gewalten und Tätigkeiten und die entsprechenden] Konsekrationen
I. Einleitende Bemerkungen

§ 2.

1) Das Ziel der „Himmlischen Hierarchie“ ist eine möglichst vollkommene immaterielle Kenntnis des Göttlichen, welche den tieferen Chören der Engel durch die obersten, unmittelbar um Gott stehenden Geister vermittelt wird.
2) Dem Menschengeschlechte wurde zuerst die „Hierarchie des Gesetzes“ geschenkt und diese gewährte den noch nicht erstarkten Augen ein schwaches Licht in dunklen Rätselbildern. Sie führte allmählich zum geistigen Kulte empor und hatte zu Führern Moses und die von ihm für den Dienst des heiligen Zeltes Geweihten. Das heilige Zelt war das Vorbild für jene Gesetzeshierarchie.
3) Höher steht die „Kirchliche Hierarchie“, welche darauf folgte. Ihre Stellung ist in der Mitte der beiden andern Hierarchien, denn mit der himmlischen hat sie die geistigen Erkenntnisse, mit der gesetzlichen die sinnlich wahrnehmbaren Bilder der [S. 164] Wahrheit gemein.
4) Gleich den andern Hierarchien ist auch der kirchlichen die triadische Einteilung eigen (Sakramente, Verwalter und Empfänger derselben), welche die unverrückbare Grundlage einer schön abgestuften Gemeinschaft bildet.

Die heiligste Hierarchie der überhimmlischen Wesen hat zu ihrem Vollendungsziel die nach ihren Kräften möglichst immaterielle Kenntnis Gottes und der göttlichen Dinge und den vollkommenen, bis an die mögliche Grenze der Gottesnachahmung heranreichenden Zustand der Gottähnlichkeit. Zu Lichtvermittlern und Führern bei dieser heiligen Vollendung hat diese Hierarchie die vornehmsten, um Gott stehenden Wesen. Denn diese vermitteln an die tieferstehenden heiligen Ordnungen gütig und in entsprechendem Maße die gottgewirkten Erkenntnisse, welche ihnen selbst immerdar von der absolut vollkommenen und die göttlichen Geister mit Weisheit erfüllenden Urgottheit gewährt werden1. Diejenigen Ordnungen aber, welche unter den ersten Wesen stehen, sofern sie durch jene heilig zu der gottgewirkten Erleuchtung der Urgottheit erhoben werden, bilden jene Klassen, welche zur Vollkommenheit geführt werden und mit Recht darnach benannt sind2.

Nach jener himmlischen und überweltlichen Hierarchie hat die Urgottheit ihre heiligsten Gaben gütig waltend unserm Geschlechte erzeigt und uns, da wir, um mit der Schrift zu reden, noch Kinder waren, die Hierarchie des Gesetzes geschenkt. In dunklen Bildern der Wahrheit und von den Urtypen ganz weitentfernten Gleichnissen, in schwer zu betrachtenden Rätseln und Vorbildern, welche den in ihnen verschlossenen mystischen Sinn nicht leicht erkennen ließen, strahlte sie in die Augen, welche noch nicht erstarkt waren, ein nicht schadendes, angemessenes Licht. Diese Hierarchie des Gesetzes hatte zum Endziel die Erhebung zu einem geistigen Kulte, Ihre Führer waren jene Männer, welche von Moses, dem ersten Mysten und Führer unter den Hierarchen des Gesetzes, in jenes heilige Zelt (des Bun- [S. 165] des) heilig waren eingeweiht worden. Nach diesem heiligen Zelte beschrieb er die Hierarchie des Gesetzes auf heilige Art zum Zweck der Einführung und Vorbereitung und nannte all jenes Gesetzeszeremoniell ein Nachbild des Typus, der ihm auf dem Berge Sinai gezeigt worden war3. Weiheempfänger aber waren die, welche von den Symbolen des Gesetzes zu einer höheren mystischen Erkenntnis erhoben wurden. Als die vollkommenere Mystik bezeichnet die Gottesoffenbarung unsere Hierarchie, denn sie nennt dieselbe eine Erfüllung von jener und einen heiligen Abschluß. Es ist aber unsere Hierarchie auch zugleich eine himmlische und eine gesetzliche, weil sie durch ihre Mittelstellung gemeinschaftlich an den Gegensätzen beider teilnimmt, da sie mit der einen durch ihre geistigen Anschauungen Gemeinschaft hat, mit der andern aber dadurch Gemeinsames besitzt, daß sie ebenfalls vermittels sinnlich wahrnehmbarer Symbole eine bunte Mannigfaltigkeit erhält und dadurch heilig zum Göttlichen emporgeführt wird. Gleicherweise besitzt sie auch den triadischen Charakter der hierarchischen Einteilung, denn sie zerfällt in die heiligsten Ritualhandlungen der Weihen, in die gottähnlichen Verwalter des Heiligen und in die Abteilung derer, welche von jenen in entsprechendem Grade zu den Sakramenten herzugeführt werden. Und anschließend an die Hierarchie des Gesetzes und an die göttlichere über uns stehende Hierarchie wird jedes der drei Einteilungsglieder unserer Hierarchie wieder in eine erste, mittlere und letzte Stufe auf Grund der (zustehenden) Gewalten geschieden und bestimmt, indem ebensosehr auf das geziemende Verhältnis (des Verschiedenen), wie auf die schöne, harmonisch abgestufte Verbindung und Gemeinschaft Bedacht genommen ist.

1: Vgl. c. h. VI und VII.
2: c. h. VIII und IX (τάξεις τελούμεναι).
3: Über die „Mystagogie“, welcher Moses gewürdigt wurde, handelt weitläufig Gregor von Nyssa de vita Moysis (M. 44, 297 —429). Vgl. Exod. 25, 40.

 

 

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Einleitung zur Himmlischen und Kirchlichen Hierarchie
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. III. Betrachtng
6. Kapitel: Über die ...
7. Kapitel: Über die ...
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger