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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Kirchliche Hierarchie (De ecclesiastica hierarchia)
3. Kapitel: Über die Feier der Eucharistie
III. Betrachtung

§ 7a.

1) Nächst den Katechumenen folgen als zweite Klasse die Energumenen, welche schon irgendwie an den heiligen Sakramenten teilgenommen haben, aber noch unter dem Einfluß der bösen Geister stehen.
2) Die Ausschließung der Energumenen von den Hauptteilen der Messe hat ihren Grund darin, daß dieselben nicht die geeignete Disposition besitzen, um die höchsten Geheimnisse mitzufeiern und Tempel des heiligen Geistes zu werden.
3) Der echte Schüler des heiligen Geistes triumphiert über die schreckhaften Versuchungen des bösen Feindes, ja er wird auch andern ein Rater und Helfer wider sie sein.
4) Schlimmere Besessenheit als die erwähnten Energumenen weisen die groben Sünder auf, welche mit den Dämonen in Gesinnung und Sitten übereinstimmen und in wilder Leidenschaft den sinnlichen Genüssen fröhnen. Sie müssen daher noch strenger als eigentliche Energumenen und Büßer von der eucharistischen Feier fortgewiesen werden.

Was die Gruppe der Energumenen betrifft, so ist sie allerdings auch unrein, nimmt aber doch den nächst höheren Platz nach den zu tiefst stehenden Katechumenen ein. Denn keineswegs, wie ich glaube, auf gleicher Stufe stehend mit der vollständig uneingeweihten und von den göttlichen Sakramenten gänzlich ausgeschlossenen Klasse, hat sie eine gewisse Anteilnahme an den heiligsten Sakramenten schon gewonnen, ist aber noch in die feindseligen Lockungen und Verwirrungen verstrickt. Immerhin wird auch ihnen das Schauen und Genießen des Allheiligen entzogen und zwar durchaus mit Recht. Denn wenn es wahr ist, daß der allwegs göttliche Mensch, der würdige Genosse der göttlichen Geheimnisse, der den Höhepunkt der ihm möglichen Gottähnlichkeit auf den Stufen vollständiger, vollendender Ver- [S. 131] gottung erstiegen hat, auch nicht die Werke des Fleisches vollbringen wird es sei denn infolge der Notwendigkeit der Natur, und selbst das im gegebenen Falle nur vorübergehend, so wird er zugleich ein Tempel und ein Jünger des urgöttlichen Geistes auf der ihm möglichen höchsten Stufe der Vergöttlichung sein, indem er das Ähnliche auf dem Ähnlichen aufbaut. Wer so beschaffen ist, möchte wohl nicht von den feindlichen Phantasievorstellungen oder Schrecknissen beeinflußt werden; er wird eher über sie lachen, ihre Anwandlungen niederringen und verscheuchen, mehr handelnd als leidend auftreten und nebstdem, daß er in seiner persönlichen Verfassung keinen Zwang der Leidenschaften, keine Nachgiebigkeit gegen sie kennt, wird er auch für andere als ein Helfer gegen solche Einwirkungen erscheinen.

Ich denke aber oder weiß vielmehr gewiß, daß außerdem das ungetrübteste Urteil der Hierarchen andere Menschen kennt, welche mehr als jene mit der fluchwürdigsten Besessenheit behaftet sind, nämlich alle die, welche, vom gottähnlichen Leben abtrünnig, den schlimmen Dämonen an Gesinnung und Sitten ähnlich werden, da sie sich infolge ihrer höchsten, ihnen selbst verderblichen Torheit von dem wahrhaft Seienden, von dem unverlierbaren Besitztum und den ewig währenden Freuden abwenden, dagegen den unsteten Wechsel in materiellen Dingen und zahllosen Leidenschaften, die vergänglichen und verderbenbringenden Genüsse, die unstete, in den fremden Bereichen nicht wirklich sondern nur scheinbar vorhandene Lust wünschen und erstreben. Diese Menschen sind es, welche der Liturge an erster Stelle und mit mehr Fug und Recht als die eigentlichen Energumenen mit seinem ausscheidenden Zurufe fortweisen soll. Denn es ist nicht recht, daß sie an irgend einem andern heiligen Akte teilnehmen außer an der Unterweisung der heiligen Schriften, die den Zweck hat, auf ihre Bekehrung hinzuwirken1.

[S. 132] Die überweltliche, heilige Opferhandlung wird selbst vor denen geheim gehalten, welche im Stande der Buße sind und vor denen, welche doch schon früher zu ihr zugelassen waren, und gestattet nur der vollkommenen Heiligkeit den Zutritt. Ganz heilig ruft sie (die Liturgie) uns auch das Wort zu: „Ich biete mich nicht den Blicken und der Gemeinschaft solcher dar, welche in irgend einer Hinsicht zu schwach und unvollkommen sind, um die Höhe der Gottähnlichkeit zu ersteigen. Der in gar keiner Beziehung eine Vermengung duldende Zuruf (des Diakon) scheucht auch diejenigen hinweg, welche noch nicht mit den würdigen Teilnehmern an den göttlichsten Geheimnissen sich vereinigen können. In viel höherem Grade wird also der Haufe derer, welche Energumenen der bösen Leidenschaften sind, unrein und aller Betrachtung und Anteilnahme an den heiligen Geheimnissen unfähig sein.

1: Es scheint, daß D. an dieser Stelle eine Kritik an der kirchlichen Praxis übt, welche nach seinem Sinne nicht strenge genug gegen manche sündhafte Christen verfährt, sondern sie mit Umgehung der öffentlichen Buße an der Eucharistie teilnehmen läßt.

 

 

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Einleitung zur Himmlischen und Kirchlichen Hierarchie
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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