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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Kirchliche Hierarchie (De ecclesiastica hierarchia)
3. Kapitel: Über die Feier der Eucharistie
III. Betrachtung

§ 6.

1) Den Ungläubigen wird nicht einmal gestattet, die sinnbildlichen Zeichen und den Beginn der liturgischen Feier zu sehen.
2) Die Katechumenen, Energumenen und Büßer dürfen nur dem Psalmengesang und den Schriftlesungen anwohnen, während die eigentlichen Glieder der Gemeinde beim ganzen Gottesdienste bleiben.
3) Der Grund dieses Verfahrens der Hierarchie ist ein heilsam pädagogischer, der die verschiedene Empfänglichkeit der Stände der Kirche berücksichtigt.
4) Die Katechumenen nehmen in der Kirche den äußersten Platz ein, weil sie als Ungetaufte das übernatürliche Sein noch gar nicht erlangt haben. Sie gleichen der unausgetragenen Frucht im Mutterleibe, bedürfen eines geistigen Hebammendienstes und müssen die Zeit der Reife abwarten, damit sie nicht das traurige Schicksal einer Fehlgeburt erleiden.
5) Die Kirche bietet ihnen während des Katechumenats die entsprechende geistige Nahrung und verhilft ihnen dann zur Wiedergeburt, zum Eintritt in das Lichtreich der Sakramente.

Diejenigen Menschen, welche gar nicht den Schall der heiligen Geheimnisse um ihre Ohren erklingen lassen, sehen nicht einmal die bildlichen Zeremonien, denn schamlos leugnen sie das heilsame Mysterium der Geburt aus Gott und halten zu ihrem Verderben den Worten der Schrift dieses andere entgegen: „Deine Wege will ich nicht kennen“1. Die Katechumenen dagegen, die Energumenen und die Büßer läßt die Satzung der heiligen Hierarchie zum Anhören des heiligen Psalmen- [S. 129] gesanges und der gotterfüllten Lesung der allheiligen Schriften zu, aber zu den folgenden liturgischen Akten und Betrachtungen ruft sie diese Klassen nicht, sondern nur die gesunden Augen der vollkommen Ausgebildeten. Denn die gottähnliche Hierarchie ist von heiliger Gerechtigkeit erfüllt und verleiht auf heilsame Art einem jeden den gebührenden Anteil, indem sie die harmonische Teilnahme an jedem göttlichen Geheimnis, Ebenmaß und Verhältnis wahrend, zu rechter Zeit heilig erlaubt.

Die letzte Stufe ist also den Katechumenen zugewiesen, weil sie noch von gar keinem Sakrament der Hierarchie Anteil und Aufschluß haben und noch nicht das gotterfüllte Dasein besitzen, welches der Geburt aus Gott entspricht, vielmehr erst von väterlichen Belehrungen zur (geistigen) Entbindung gebracht und durch lebenspendenden Gestaltungsprozeß für die aus der Gottesgeburt stammende glückselige Annäherung an die Urquelle des Lebens und Lichtes ausgebildet werden. Wenn die fleischliche Leibesfrucht unausgetragen und unausgebildet vor der naturgemäßen Entbindung als Fehl- und Frühgeburt ausfällt, so bedeutet das für dieselbe ein geburtloses, lebloses, lichtloses Fallen auf den Boden. Wohl kein Vernünftiger dürfte beim Anblicke einer solchen Erscheinung behaupten, daß diese Wesen ans Licht gebracht seien, wenn sie auch aus der Finsternis des Mutterschoßes ausgeschieden sind. Sagt doch wohl die Arzneiwissenschaft, welche die Kenntnis und Obsorge um die Leiber hat, daß das Licht nur auf alles das wirke, was Empfänglichkeit für das Licht besitzt. In dieser Weise handelt nun auch die hochweise Heilswissenschaft. Zuerst entwickelt sie die Katechumenen durch die vorbereitende Nahrung der Schriftworte, welche Gestalt und Leben schaffen, zur (geistigen) Entbindung. Hat sie dann aber deren Natur für die Geburt aus Gott zur vollen Reife gefördert, so verleiht sie ihnen zu ihrem Heile, der entsprechenden Stufe gemäß, die Gemeinschaft mit dem Reich des Lichtes und der Vollendung. Jetzt aber schließt sie noch von ihnen als Unreifen das Reife aus und sorgt so einerseits für die gute Ordnung der heiligen Geheimnisse, andrerseits für Entbindung [S. 130] und Leben der Katechumenen in gottentsprechender Abfolge der hierarchischen Gliederung2.

1: Job 21, 14. Das frevle Wort, das Job den Gottlosen in den Mund legt, wiederholen die hartnäckigen Ungläubigen.
2: Das breit ausgeführte Bild vom unreifen Fötus (Abortus) in Verbindung mit der Idee vom geistigen Hebammendienst (Maieutik) ist zum Teil der Sokratesliteratur entnommen, zum Teil den griechischen Vätern, wie Greg. v. Nyssa in Ps. 57 (M, 44, 596 A-B).

 

 

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Vorbemerkung
Einleitung zur Himmlischen und Kirchlichen Hierarchie
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger