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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Kirchliche Hierarchie (De ecclesiastica hierarchia)

3. Kapitel: Über die Feier der Eucharistie

I. Einleitende Bemerkungen

Über die Feier der Eucharistie.

1) Vor allen übrigen Geheimnissen muß die heilige Eucharistie behandelt werden, weil sie „das Sakrament der Sakramente“ ist.
2) Die Frage, warum sie insbesondere mit dem Namen „Kommunion“ (κοινωνία) bezeichnet wird, da ja doch den übrigen Sakramenten auch die Wirkung der Gemeinschaft mit dem Göttlichen zukommt, ist dahin zu beantworten, daß eben die Eucharistie allen andern sakramentalen Wirkungen die Krone aufsetzt und die gnadenreiche Einigung mit Gott zum rechten Abschlusse bringt.
3) Aus ähnlichem Grunde heißt das Sakrament der Taufe auch „Erleuchtung“ (φώτισμα), weil es die erste und ursprüngliche Lichtmitteilung ist, während die übrigen Sakramente Wachstum und neues Zuströmen des Lichtes vermitteln.
4) Übergang zur Erklärung und Betrachtung aller einzelnen Punkte der eucharistischen Feier.

Nun denn, da wir der Eucharistie gedacht haben, ist es mir nicht erlaubt, über sie hinwegeilend vorher etwas anderes von den Geheimnissen der Hierarchie vorzutragen. Sie ist ja, wie unser gepriesener (geistlicher) Führer1 sagt, „das Sakrament der Sakramente“. Wir müssen vor den übrigen sie in heiliger Darstellung erklären und dann von dem gotterfüllten, der heiligen Schrift entsprechenden und hierarchischen Verständnis [S. 118] aus durch den urgöttlichen Geist zu ihrer heiligen Betrachtung uns erheben.

Zunächst laßt uns ehrerbietig den Grund erwägen, warum der Charakter der Gemeinschaft, der auch den übrigen Sakramenten der Hierarchie zukommt, der Eucharistie insbesondere vor den übrigen eigen ist und warum sie mit Hervorhebung des Einheitlichen „Gemeinschaft“ (κοινωνία) und „Vereinigung“ (σύναξις) genannt ist, obgleich jede heiligende sakramentale Handlung unser zerteiltes Leben zur eingestaltigen Vergottung vereinigt und durch den gottähnlichen Zusammenschluß des Getrennten die Gemeinschaft und Einswerdung mit dem Einen verleiht. Wir sagen also, daß der Anteilnahme an den andern hierarchischen Symbolen durch die urgöttlichen und vollendenden Gnaden der Eucharistie die Krone aufgesetzt wird. Denn es geht wohl nicht an, daß irgend jemand eine sakramentale Gnade der Hierarchie erlange, ohne daß die ganz göttliche Eucharistie als Krone der betreffenden einzelnen Heiligungsmittel die Vereinigung des Geweihten mit dem Einen auf heilige Art bewirkt und seine Gemeinschaft mit Gott durch das gottverliehene Geschenk der vollendenden Geheimnisse in abschließender Weise herbeiführt. Wenn also jede einzelne sakramentale Weihe der Hierarchie, weil für sich allein nicht vollkommen, unsere Gemeinschaft und Vereinigung mit dem Einen nicht zum vollen Abschluß bringen wird, so ist ihr auch wegen des Mangels an Vollendung der Charakter einer Vollendungsweihe benommen2. Ziel und Krone jeder Weihehandlung ist aber die Mitteilung der urgöttlichen Geheimnisse an den Weihekandidaten. Mit Recht hat daher die Weisheit der Hierarchen für die Eucharistie den eigentlichen Namen aus den wirklichen Tatsachen hergenommen.

[S. 119] Auf diese Weise feiern wir auch das heilige Sakrament der Geburt aus Gott, weil es die erste Lichtmitteilung und der Ausgangspunkt aller göttlichen Führungen im Lichte ist, auf Grund der Weihewirkung mit dem zutreffenden Namen „Erleuchtung“. Denn wenn auch allen hierarchischen Sakramentshandlungen die Mitteilung des heiligen Lichtes an den Geweihten gemeinsam ist, so hat mir doch dieses Sakrament (der Taufe) zuerst das (geistige) Sehvermögen gegeben und vermittels seines ursprünglichst erschlossenen Lichtes wird mir zur Beschauung der andern heiligen Geheimnisse vorgeleuchtet. Nach diesen Vorbemerkungen wollen wir dem Geiste der Hierarchie gemäß den genauen heiligen Ritus und den tieferen Sinn des heiligsten Sakramentes im einzelnen ins Auge fassen und betrachten.

1: D. will offenbar an seinen mit ähnlicher Bezeichnung auch sonst eingeführten Lehrer Hierotheus erinnern. Inwieweit die Angabe reell ist, entzieht sich unserer Kontrolle.
2: Der griechische Text bedient sich der Doppelbedeutung der Wörter τελέω und τελετή und der entsprechenden Derivata (τελειωτικός, τελεσιουργός, ἀτελής, ἀτέλεστος u. s. w.), um sich in beständigen Wortspielen zu bewegen; τελέω ist bald in dem Sinne von „vollenden“, bald in dem Sinne von „weihen“ genommen. Die deutsche Übersetzung kann kein Äquivalent dafür bieten. Vgl. übrigens Phil. 3, 15: ὅσοι οὖν τέλειοι κτλ. und andrerseits Proklus, instit. theol. an zahllosen Stellen.

 

 

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Vorbemerkung
Einleitung zur Himmlischen und Kirchlichen Hierarchie
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger