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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Kirchliche Hierarchie (De ecclesiastica hierarchia)
2. Kapitel: Über den Taufritus
III. Betrachtung

§ 4.

1) Die erste Frucht des Aufblickens zum Lichte ist, gemäß der von Gott begründeten Ordnung, die Selbsterkenntnis.
2) Mit der fortschreitenden Zunahme der Kenntnis wird der Mensch allmählich und stufenweise zu immer Höherem und zuletzt zum obersten Gipfel des Göttlichen aufsteigen.
3) Der sinnbildliche Ausdruck für diese fromme Scheu und Zurückhaltung ist gegeben in dem Brauche, daß der Täufling sich einen Paten aussucht, der ihn zum Bischof geleitet.
4) Die Bezeichnung des Täuflings mit dem Siegel des Kreuzes und die Eintragung seines Namens in das Taufregister hat den mystischen Sinn, daß er an der Glückseligkeit Gottes Anteil gewinnt und unter die Zahl der Geretteten eingereiht ist.

Weil das Göttliche die Quelle der heiligen, guten Ordnung ist und ihr gemäß die heiligen Geister sich selbst erkennen, so wird derjenige, welcher sich dem erkennbaren Gebiet der eigenen Natur zuwendet, zuerst sich selbst erkennen, wer er immer sein mag, und zuerst diese heilige Frucht von der Hinneigung zum Lichte gewinnen. Hat er dann den eigenen Zustand mit leidenschaftslosem Blick gut ins Auge gefaßt, so wird er zunächst aus den lichtlosen Winkeln der Unwissenheit heraustreten. Weil aber noch nicht reif für die vollkommenste Einigung und Gemeinschaft mit Gott, so wird er nicht ohne weiteres nach ihr begehren, in kurzem aber wird er durch den sehr guten Erfolg, den er erreicht hat, zu noch Besserem und durch dieses zu dem Allerbesten und, der Vollendung teilhaftig geworden, zur Höhe des Urgöttlichen in heiligem Stufengange emporsteigen. Ein Bild dieses schönen und heiligen Stufen- [S. 112] ganges ist die fromme Scheu und Selbsterkenntnis des Taufkandidaten, welche auf dem Wege zum Hierarchen den Paten zum Geleitsmann nimmt. Nach diesem Aufstieg läßt die göttliche Glückseligkeit den Menschen zu ihrer Gemeinschaft zu und gewährt ihm Anteil an ihrem eigenen Lichte, mit dem er gleichwie mit einem Siegel bezeichnet ist1, und macht ihn endlich gotterfüllt und zum Mitinhaber der Erbschaft, welche den Gotterfüllten bestimmt ist, und reiht ihn in die Schar der Heiligen ein. Das sinnbildliche Zeichen hiefür ist das Siegel des Kreuzzeichens, welches der Hierarch dem Täufling aufdrückt, und die segensreiche Einregistrierung durch die Priester, welche ihn unter die Zahl der Geretteten einreiht und neben ihm auch seinen Paten in die heiligen Gedenktafeln einträgt, den einen als den aufrichtigen Liebhaber und Jünger des gotterfüllten Führers auf dem lebenspendenden Wege zur Wahrheit, den andern als den nicht fehl gehenden Führer des Jüngers in den gotteingegebenen Weisungen.

1: Vgl. Ps. 4, 7 ἐσημειώθη ἐφ’ἡμᾶς τὸ φῶς τοῦ προσώπου σου, κύριε.

 

 

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Einleitung zur Himmlischen und Kirchlichen Hierarchie
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger