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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Kirchliche Hierarchie (De ecclesiastica hierarchia)
1. Kapitel: Widmung der Schrift an Timotheus. Überlieferung und Ziel der „Kirchlichen Hierarchie“

§ 5.

Die Grundlegung unserer Hierarchie:
1) Gott offenbarte sich unmittelbar den ersten Hirten der Kirche; sein Auftrag und der eigene Glaubenseifer der Apostel sorgte für die Fortpflanzung der Offenbarungslehre durch die Jahrhunderte.
2) Die Methode zu lehren blieb sich gleich; im Sinnlichen lehrte man das Übersinnliche und führte die Hörer ins Reich des Geistigen empor.
3) Die Gründe für die verhüllte (symbolische) Überlieferung sind erstens das Interesse der Geheimhaltung vor den Ungläubigen, zweitens die Anpassung an unsere leiblich-geistige Natur; drittens das harmonisch abgestufte Wesen, Wissen und Wirken innerhalb der Hierarchie mit ihren gesonderten Ordnungen.
5) Nur unter der Bedingung, daß auch Timotheus dieser Geheimhaltung treu bleibe, erhält er Kenntnis von dem Inhalte vorliegender Schrift.

Die ersten Führer unserer Hierarchie wurden von der überwesentlichen Urgottheit erst selbst mit der heiligen Gabe erfüllt und dann von der urgöttlichen Güte ausgesandt, um dieselbe auf ihre Nachfolger fortzupflanzen. Neidlos strebten sie aber auch von selber, weil ja göttlichen Sinnes, ihre Nachfolger emporzuführen und zu vergöttlichen. Notwendigerweise boten sie uns also bei ihren geschriebenen und ungeschriebenen Einweihungslehren im Einklang mit den heiligen Satzungen das Überhimmlische in sinnfälligen Bildern, das in Eins Geschlossene in Buntheit und Fülle, das Göttliche in menschlichen Analogien, das Stofflose im Stofflichen, das Überwesentliche in dem, was unser ist.

Sie handelten so nicht bloß wegen der Unheiligen, welche nicht einmal an die heiligen äußeren Zeichen rühren dürfen, sondern auch aus dem Grunde, weil unsere Hierarchie, wie gesagt, unserer Natur entsprechend eine symbolische ist und der sinnlich wahrnehmbaren Dinge bedarf, um von denselben aus zu der geistigen [S. 100] Welt einen göttlicheren Aufstieg zu bereiten. Den göttlichen Trägern der heiligen Gewalten sind freilich die den Sinnbildern zu Grunde liegenden Ideen enthüllt, sie dürfen aber dieselben denen, die noch im Prozeß der Vervollkommnung begriffen sind, nicht offenbaren. Denn sie wissen, daß die Gesetzgeber der von Gott verliehenen Heilsanstalt unsere Hierarchie nach den unverrückbaren und unvermengbaren Rangordnungen und nach den entsprechenden heiligen Zuweisungen des einen jeden nach Gebühr treffenden Anteils gegliedert haben.

Du hast mir die Zusicherung gegeben — es ist heilige Pflicht, dich daran zu erinnern — daß du bei dem über alles erhabenen Charakter der heiligen Lehre über die Hierarchie keinem andern als den mit dir auf gleicher Stufe, nach Gottes Bilde gestalteten Trägern der heiligen Gewalten davon mitteilen wirst; du wirst ferner sie bestimmen, gemäß dem Gesetze der Hierarchie zu versprechen, daß sie nur mit reinen Händen das Reine berühren, nur den Göttlichen an den Gotteswerken (Sakramenten) Gemeinschaft gewähren, nur die der Vollkommenheit Fähigen an der Vollendung, nur die Heiligen an dem Allerheiligsten werden teilnehmen lassen. Auf diese deine Zusage hin habe ich dir sowohl andere hierarchische Geheimnisse wie auch dieses göttliche Geschenk mitgeteilt1.

1: Der Verfasser schreibt zu einer Zeit, wo die strenge Arkandisziplin längst gelockert war; gleichwohl behält er Redeweisen und Termini derselben bei, da er ja den Anschein frühesten Altertums erwecken will. Er wurde dazu umsomehr bestimmt, weil die neuplatonischen Philosophen seines Zeitalters, denen er so nahe stand, ihre Wissenschaft wie einen hehren Mysteriendienst behandelten.

 

 

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Einleitung zur Himmlischen und Kirchlichen Hierarchie
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger