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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LXXIII-LXXIV: Zwei Predigten über die Himmelfahrt des Herrn.
Sermo LXXIV. 2. Predigt über die Himmelfahrt des Herrn.

5.

Laßt uns also, Geliebteste, in geistiger Weise jubeln und frohlocken, laßt uns in angemessenem Danke gegen Gott unsere Freude suchen und den ungetrübten Blick unseres Inneren zu jenen Höhen erheben, in denen Christus thront! Unsere für den Himmel bestimmten Seelen sollen nicht irdische Wünsche in die Tiefe ziehen! Die zur Ewigkeit Berufenen soll nicht die Vergänglichkeit in Bande schlagen! Die auf dem Wege der Wahrheit Wandelnden sollen nicht gleisnerische Lockungen in ihrem Vorwärtsschreiten hemmen! In der Erkenntnis, nur ein Fremdling in diesem Erdental zu sein, soll der Gläubige diese Zeitlichkeit durchwandern! Und wenn uns auch auf diesem Wege gar manches verführerisch erscheint, so sollen wir doch nicht sündhaft darnach haschen, sondern tapfer daran vorübergehen! Eine solch gottgefällige Entsagung legt uns der hochseilige Apostel Petrus ans Herz. Der liebevollen Sorge entsprechend, die er seit seiner dreimaligen Beteuerung seiner Liebe zum Herrn für die zu weidenden Schäflein Chrtsi empfindet, ruft er uns die eindringlichen Worte zu: "Geliebteste, ich beschwöre euch als Fremdlinge und Pilger, euch zu enthalten von fleischlichen Gelüsten, die wider die Seele streiten"1 . Für wen anders aber kämpfen die Gelüste des Fleisches als für den Teufel, dem es Freude macht, die nach dem Himmel trachtenden Seelen durch den Reiz vergänglicher Güter zu bestricken und sie der Wohnsitze zu berauben, aus denen er selbst verstoßen wurde?"2 . Jeder Gläubige muß gegen seine Nachstellungen auf weiser Hut sein, um den Schlingen seines Feindes entgehen zu können. Nichts aber ist, Geliebteste, wirksamer gegen des Satans List und Tücke als mildreiches Erbarmen und freigebige Liebe, durch die jede Sünde entweder gemieden oder doch siegreich bezwungen wird. Allein diese herrlichen Tugenden erlangt man nicht eher, als bis man vernichtet hat, was ihnen widerstreitet. Was aber steht so im Gegensatz zur Barmherzigkeit und zur werktätigen Liebe als der Geiz, aus dessen Wurzel alle Übel emporkeimen? Wird dieser nicht in seinen ersten Trieben ertötet, so müssen notwendigerweise aus dem Herzen dessen, in dem dieses Unkraut wuchert, weit eher die Dornen und Disteln der Laster, als irgendwelche Keime wahrer Tugend hervorsprießen. Laßt und also, Geliebteste, den Kampf gegen dieses so verderbliche Übel aufnehmen! Befleißigen wir uns der christlichen Liebe3 , ohne die keine Tugend ihren Glanz entfalten kann, damit wir auf diesem Wege liebevollen Erbarmens, auf dem Christus zu uns herniedergestiegen ist, auch unserseits zu ihm emporsteigen können, zu ihm, dem mit dem Vater und dem Heiligen Geiste Ehre und Herrlichkeit eigen ist in Ewigkeit! Amen.

1: 1 Petr 2,11 u.a.
2: 2 Petr 2,4;Jud 6
3: vgl.1 Kor 14,1

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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