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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LXXIII-LXXIV: Zwei Predigten über die Himmelfahrt des Herrn.
Sermo LXXIV. 2. Predigt über die Himmelfahrt des Herrn.

4.

Als der Menschensohn, der Sohn Gottes, zur Herrlichkeit der Majestät des Vaters zurückkehrte, zeigte er sich, Geliebteste, in größerem und überirdischerem Glanze. In wunderbarer Weise begann jetzt der als Gott uns näher zu sein, der als Mensch sich weiter von uns entfernt hatte. Jetzt begann auch der Glaube, dem ein tieferer Einblick zuteil geworden war, die mit dem Vater wesensgleiche Natur des Sohnes besser zu erkennen. Von nun an bedurfte es nicht mehr der leiblichen Berührung jener Wesenheit in Christus, durch die dieser kleiner ist als der Vater1 ; denn, wenn auch die menschliche Natur des nunmehr verklärten Leibes bestehen blieb, so wurden doch die Gläubigen jetzt dazu aufgefordert, den eingeborenen Sohn Gottes, der seinem Vater gleich ist, nicht mit den Händen, sondern mit dem Geiste zu fassen. Aus diesem Grunde sprach auch der Herr nach seiner Auferstehung zu Maria Magdalena, die die Kirche verkörpert, als sie auf ihn zueilte, um ihn zu berühren: "Taste mich nicht an, denn noch bin ich nicht aufgefahren zu meinem Vater!"2 . Das heißt: "Ich will nicht, daß du zu mir im Fleische kommst, und auch nicht, daß du mich mit den Sinnen des Körpers erkennst. Zu Erhabenerem behalte ich dich vor und Größeres bereite ich dir. Wenn ich zu meinem Vater aufgefahren bin, wird deine Berührung erst eine vollkommenere und richtigere sein, da du dann fassen wirst, was du nicht betastest, und glauben, was du nicht siehst." Während nun die Jünger voll staunender Verwunderung dem in den Himmel auffahrenden Herrn nachblickten, erschienen vor ihnen in wunderbar glänzenden Gewändern zwei Engel, die alo zu ihnen sprachen: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schauet gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn in den Himmel habt eingehen sehen"3 . Durch diese Worte wurden alle Kinder der Kirche belehrt zu glauben, daß Jesus Christus in demselben Fleisch, in dem er aufgefahren war, sichtbar wiederkommen wird. Auch sollte dadurch jeder Zweifel benommen werden, daß dem alles untertan ist, dem schon bei Beginn seiner Menschwerdung die Engel dienstbar waren! Wie nämlich ein Engel der seligsten Jungfrau die Empfängnis Christi vom Heiligen Geiste verhieß4 , so machten auch himmlische Chöre den Hirten die Geburt des Heilandes aus einer Jungfrau kund5 . Wie überirdische Boten zuerst bezeugten, daß Jesus von den Toten auferstanden sei6 , so erklärten auch dienende Engel, daß er in seinem Fleische wiederkommen werde, um die Welt zu richten. Daraus sollen wir erkennen, welch gewaltige Mächte dem künftigen Richter zur Seite stehen werden, wenn schon so große Mächte ihm in dem Augenblicke dienten, wo er selbst dem Gerichte entgegenging!

1: vgl.Joh 14,28
2: Joh 20,17
3: vgl.Apg 1,11
4: vgl. Lk 1,26 ff
5: vgl.ebd 2,9.ff
6: vgl.Mt 28,2.ff.u.a.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger