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Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Himmlische Hierarchie (De caelesti hierarchia)
15. Kapitel: Was bedeuten die bildlichen Gestalten der Engelmächte, die Feuergestalt, die Menschengestalt u. s. w..

§ 6.

Die mystische Bedeutung der über die Engel gebrauchten Ausdrücke: Winde und Wolken.

Wenn die Engel ferner „Winde“ genannt werden, so bezeichnet das ihren schnellen und nahezu zeitlosen Flug über alles hin, ihre von oben nach unten und desgleichen von unten nach oben führende Bewegung, welche das Tiefere zur oberen Höhe emporführt und das Oberste zum mitteilenden und fürsorgenden Hervortreten zum Tieferen bewegt 1. Man könnte auch sagen, daß der Name Wind, sofern er für den wehenden Lufthauch gebraucht ist, auch die Gottähnlichkeit der himmlischen Geister bezeichne. Denn auch dieser enthält ein Bild und einen Typus der urgöttlichen Energie (wie wir in der „Symbolischen Theologie“ bei der geistlichen Deutung der vier Elemente ausführlich dargetan haben) in Hinsicht auf das Bewegliche und Lebenzeugende seiner Natur und sein schnelles, unbezwingliches Kommen und Gehen und die uns unbekannte und unsichtbare Heimlichkeit des Anfanges und Endes seiner Bewegung. „Denn du weißt nicht“, sagt er, „von wannen er kommt und wohin er geht“ 2.

Aber auch Wolkengestalt 3 legt die Offenbarung bildlich den Engeln bei, indem sie dadurch andeutet, daß die heiligen Geister mit dem verborgenen Lichte überweltlich erfüllt sind, daß sie das ursprünglich hervortretende, erstmalig erscheinende Licht ohne Stolz in sich aufnehmen und es neidlos auf die tiefer stehenden Wesen in einer zweiten Lichtergießung und nach Maßgabe der Empfänglichkeit mitteilen. Es wird endlich (durch die Wolken) auch angedeutet, daß die Engel eine [S. 83] zeugende, lebengebende, vermehrende und vollendende Kraft besitzen, sofern eine Regenerzeugung im geistigen Sinne ihnen eigen ist, welche den aufnehmenden Schoß mit befruchtendem Regen zu lebendigen Geburten 4 erweckt.

1: Dan. 14, 35.
2: Joh. 3, 8. Eine direkte Bezeichnung der Engel als „Winde“ (ἄνεμοι) kann man in der heil. Schrift nicht finden, außer wenn Ps. 103, 4 und etwa Ps. 103, 3 „ambulas super pennas ventorum“ dahin verstanden wird.
3: Wahrscheinlich ist auf Js. 5, 6 angespielt: nubibus mandabo, ne pluant super eam (sc. vineam Domini) imbrem.
4: Den kühnen Tropus νεφῶν ὠδῖνες (nubium partus) s. bei Theodoret. de prov. Dei (M. s. gr. 83, 984).

 

 

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Einleitung zur Himmlischen und Kirchlichen Hierarchie
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger