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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LXXI-LXXII: Zwei Predigten über die Auferstehung des Herrn.
Sermo LXXII. 2. Predigt über die Auferstehung des Herrn.

5.

Nehmt euch die Taten des Herrn zum Vorbild! Liebet, was er geliebt hat, und ihr werdet Gottes Gnade in euch finden! Sehet in ihm voll Freude euere eigene Natur! Christus wurde arm, ohne seinen Reichtum einzubüßen. Er erniedrigte sich, ohne seine Herrlichkeit zu verringern, und er litt den Tod, ohne seine Ewigkeit zu verlieren. Auch ihr müßt darum auf denselben Pfaden wandeln und in dieselben Fußstapfen treten, auch ihr müßt das Irdische verachten, um des Himmelreiches teilhaftig zu werden. Wer das Kreuz auf sich nimmt, der muß seine Begierden ertöten, seinen Lastern absterben, alle Eitelkeit meiden und jede falsche Lehre von sich weisen. Wenn auch kein Lüstling, kein Schwelger, kein Hoffärtiger und kein Geiziger das Ostern des Herrn feiern kann, so hat doch niemand weniger Anteil an diesem Feste als ein Irrgläubiger, namentlich jener, der hinsichtlich der Menschwerdung des Wortes einer falschen Meinung huldigt, indem er entweder die göttliche Natur nicht voll und ganz anerkennt oder in dem Fleische nur einen Scheinleib sieht1 . Der Sohn Gottes ist wahrer Gott, der alles, was dem Vater eigen ist, vom Vater hat. Für ihn gibt es weder Anfang noch Zeit, weder Wechsel noch Veränderlichkeit. Er ist weder von dem "Einen Gott" getrennt noch von dem "Allmächtigen" verschieden. Seit Ewigkeit ist er der eingeborene Sohn des ewigen Vaters. Darum unterscheidet auch der Christ, der an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist glaubt, in dem Wesen des "Einen Gottes" keine Abstufungen der Einheit, wie er umgekehrt auch nicht die "Dreiheit" zu einer Person verschmelzt. Es genügt aber nicht, an dem Sohne Gottes nur die Wesenheit des Vaters zu erkennen, wenn wir nicht auch daran festhalten, daß er trotz Wahrung seiner Natur unseresgleichen ist. Jene Selbstentäußerung, die er sich für die Erlösung der Menschheit auferlegte, war eine Anordnung seiner Barmherzigkeit, nicht aber eine Enteignung der Macht. Da nach dem ewigen Ratschlusse Gottes "kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, um selig werden zu können"2 , nahm der Unsichtbare unsere sichtbare Natur an, und wurde der, für den es keine Zeit gibt, zu einem zeitlichen, und der, für den es keine Leiden gibt, zu einem leidensfähigen Wesen. Dies geschah, nicht um die Kraft des Herrn in unserer Schwäche aufgehen zu lassen, sondern damit sich unsere Schwachheit in unvergängliche Stärke verwandeln könnte.

1: wie die Arianer und Doketen
2: Apg 4,12

 

 

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