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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LXXI-LXXII: Zwei Predigten über die Auferstehung des Herrn.
Sermo LXXII. 2. Predigt über die Auferstehung des Herrn.

2.

Da die Gesamtheit des Menschengeschlechtes in den Stammeltern zu Fall gekommen war, wollte der barmherzige Gott dem nach seinem Ebenbild gemachten Geschöpfe durch seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus zu Hilfe kommen. Diese Erneuerung unserer Natur sollte mit unserem Wesen in Zusammenhang stehen! Außerdem sollte uns diese zweite Erschaffung mit noch größeren Vorzügen ausstatten, als sie uns durch die eigentliche zuteil geworden waren! Glücklich wäre gewesen, was Gott gebildet hatte, wäre es von ihm nicht abgefallen. Aber noch glücklicher ist das, was Gott erneuert hat, wenn es in ihm verbleibt. Etwas Großes war es, von Christus die Ebenbildlichkeit empfangen zu haben, aber noch mehr ist es, mit Christus gleichen Wesens zu sein. Hat doch der unsere Natur zu seiner eigenen gemacht,1 der weder unser Wesen in seinem, noch sein Wesen in unserem aufgehen lassen wollte. Der hat unsere Natur zu seiner eigenen gemacht, der Gottheit und Menschheit so in einer Person miteinander vereinte, daß Schwachheit und Kraft verteilt waren, und weder das Fleisch durch die Gottheit unverletzlich werden konnte, noch die Gottheit durch das Fleisch leidensfähig. Der hat unsere Natur zur seinen gemacht, der als Sprößling unseres Geschlechtes zwar die Art des gemeinsamen Stammes treu bewahrte, aber die Befleckung der auf alle Menschen übergehenden Erbsünde von sich ausschloß. Schwachheit und Sterblichkeit, die nicht selbst Sünde, sondern nur Strafen für die Sünde waren, hat der Erlöser der Welt auf sich genommen, um den Tod erleiden zu können und sie in den Dienst der Sühne zu stellen. Was also bei allen anderen Menschen eine Vererbung des Fluches war, das ist bei Christus eine geheimnisvolle Wirkung seiner Liebe: Frei von Schuld bot er sich dem grausamsten aller Gläubiger dar. Er duldete es, daß die dem Satan dienstbaren Hände der Juden sein unbefleckt empfangenes Fleisch ans Kreuz schlugen. Gerade deshalb aber wollte er, daß sein Leib bis zu seiner Auferstehung sterblich sein sollte, damit für jene, die an ihn glauben, weder eine Verfolgung unüberwindlich, noch der Tod schrecklich wäre. Sollten sie doch ebensowenig zweifeln an der Gemeinschaft der Herrlichkeit, wie sie nicht zweifeln sollten an der Gemeinschaft der Natur!

1: der das Maß seiner Gaben ganz nach Belieben verteilt und nie dem Wandel der Veränderlichkeit unterworfen ist,

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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