Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen. Ps. 140Der CXL. Psalm.
Der CXL. Psalm. „Herr, ich habe gerufen zu dir: Erhöre mich, merke auf die Stimme meines Gebetes, wenn ich zu dir rufe. Mein Gebet steige auf wie Rauchwerk vor deinem Angesichte; die Erhebung meiner Hände sey ein Abendopfer. Stelle, o Herr, eine Wache vor meinen Mund, und eine rings verschließende Thüre vor meine Lippen. Neige mein Herz nicht zu boshaften Worten, zur Entschuldigung der Entschuldigungen in Sünden, wie die Menschen, welche Ungerechtigkeit verüben; ich will mich nicht paaren mit dem, was sie erwählt haben. Strafen mag mich der Gerechte mit Erbarmen, und mich schelten; aber das Oel des Sünders soll mein Haupt nicht salben. Weil mein Gebet noch mit dem beschäftiget ist, woran sie ihr Wohlgefallen haben, sind ihre Richter an den Felsen geschleudert und verschlungen worden. Meine Worte werden gehört werden, weil sie Kraft gehabt haben; wie eine Erdscholle ist es locker geworden auf der Erde. Hingestreut sind unsere Gebeine in die Tiefe; [S. 102] denn auf dich, o Herr, sehen meine Augen; auf dich habe ich gehofft, nimm nicht weg meine Seele. Behüte mich vor der Schlinge, die sie mir gelegt haben, und vor den Fallstricken der Uebelthäter. Die Sünder werden in sein Netz fallen; ich bleibe allein, bis ich hinüber gehe.“
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