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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.
Sermo LXX. 19. Predigt über das Leiden des Herrn.

3.

Was war es nun, was bei den Juden keine Erkenntnis aufkommen ließ und die Herzen der Weltweisen verwirrte? Nichts anderes als das Kreuz des Gottessohnes1 , das die Klugheit der Philosophen zuschanden machte und die Lehre der Israeliten in Schatten stellte. Überstieg doch die Unergründlichkeit des göttlichen Ratschlusses alle Einsicht des menschlichen Verstandes, "indem es Gott gefiel, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die da glauben"2 . Gerade dadurch, daß es den Menschen schwer fällt zu glauben, sollte die Festigkeit der Gläubigen verdienstvoller werden. Widersinnig und unvernünftig schien es zu sein, sich dazu zu bekennen, daß eine unversehrte Jungfrau den Schöpfer aller Dinge als wahren Menschen geboren habe. Widersinnig schien es zu sein, daß sich der das Wesen des Vaters teilende Sohn, der alles erfüllte und umspannte, von den Händen seiner wütenden Feinde ergreifen, durch den Spruch der Gottlosen verurteilen und nach schimpflichen Verspottungen ans Kreuz schlagen ließ. Und doch offenbart sich in all diesen Vorgängen gleichzeitig die Niedrigkeit des Menschen und die Erhabenheit der Gottheit. Der Ratschluß der Barmherzigkeit tut der Majestät des Barmherzigen keinen Abbruch. Ein Werk unbeschreiblicher Macht war es, wenn die wahre menschliche Natur mit der unversehrbaren Gottheit und Gott mit dem leidensfähigen Fleische eins wurde, wenn der Mensch durch Schmach zum Ruhme, durch Martern zur Unverletzlichkeit und durch den Tod zum Leben gelangte. Wäre das Wort nicht Fleisch geworden, und hätte nicht zwischen den beiden Wesenheiten eine solch unauflösliche Einheit bestanden, daß nicht einmal die kurze Zeit des Todes die Natur dessen, der unser Wesen annahm, von der angenommenen zu trennen vermochte, so hätten wir sterbliche Menschen nie wieder der Ewigkeit teilhaftig werden können. Allein Christus kam uns durch ein außerordentliches Mittel zu Hilfe: Über seine leidensfähige Natur, mit der sich die leidensunfähige verbunden hatte, vermochte der Tod seine Gewalt nicht aufrechtzuerhalten, und durch das Wesen dessen, für den es kein Sterben gab, konnte auch das, was gestorben war, wieder auferweckt werden.

1: vgl.1 Kor 1,23
2: 1 Kor 1,21

 

 

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