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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.
Sermo LXVII. 16. Predigt über das Leiden des Herrn.

3.

Endlich zeigt sich der Fall des Gekreuzigten und derer, die ihn ans Kreuz schlugen, auch darin verschieden, daß sich zwar nicht ungeschehen machen läßt, was Christus erduldet hat, wohl aber gesühnt werden kann, was die Juden ihm zugefügt haben. Schloß doch der Herr, der gekommen war, um die Sünder zu retten1 , nicht einmal seine Mörder von seiner Barmherzigkeit aus2 . Machte er doch die Freveltat der Ungläubigen zu einer Segenstat für die Gläubigen. So muß uns also die göttliche Gnade noch wunderbarer erscheinen, da sie den Menschen nicht wegen irgendwelcher Verdienste zuteil wurde, sondern nur deshalb, weil der unendlich weise und allwissende Gott mit uns Mitleid fühlte, so daß sogar diejenigen, die das Blut des Heilands vergossen hatten, zum Taufquell zugelassen wurden. Berichtet uns ja die Apostelgeschichte, daß die Juden von der Predigt des heiligen Petrus erschüttert, ihre gottlose Tat erkannten und ausriefen: "Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder?"3 . Darauf entgegnete derselbe Apostel: "Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen im Namen Jesu Christi zur Vergebung seiner Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen; denn euch gehört die Verheißung und eueren Kindern und allen, die ferne sind,soviele ihrer berufen wird der Herr, unser Gott!"4 . Und gleich darauf heißt es in jener Schrift weiter: "Diejenigen, die sein Wort annahmen, wurden getauft. Und es wurden an jenem Tage bei dreitausend Seelen gewonnen"5 . Wenn sich nun auch unser Herr Jesus Christus der Wut seiner rasenden Feinde aussetzen wollte, so war er deshalb doch keineswegs der Urheber ihrer Verbrechen. Er beeinflußte nicht ihren Willen, sondern gestattete nur, ihn zu verwirklichen. Der Wahnwitz des verblendeten Volkes diente ebenso seinen Zwecken wie die Treulosigkeit seines Verräters. Durch Wohltaten und Worte wollte er gnädigerweise diesen von dem furchtbaren Frevel zurückhalten, den er im Sinne hatte. Er hatte ihn zum Jünger gemacht und zum Apostel erhoben. Er redete ihm durch Wunder zu Herzen und zog ihn zu seinem Geheimnis bei, damit der keinen Anlaß zu seinem Verbrechen habe, dem kein Mittel zur Besserung verweigert worden war.

1: vgl.Mt 9,13
2: vgl.Lk 23,34
3: Apg 2,37
4: Apg 2,38
5: ebd 2,41

 

 

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