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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.
Sermo LXVII. 16. Predigt über das Leiden des Herrn.

2.

Alles, was die Bosheit der Juden gegen den Herrn der Herrlichkeit verübt hat, ist also schon lange vorherverkündet worden. Und die Prophezeiungen sind so abgefaßt, daß sie die Ereignisse weniger als zukünftig, denn als vergangen hinstellen1 . Was wird uns dadurch anderes geoffenbart als die Unveränderlichkeit der seit ewigen Zeiten getroffenen Anordnungen Gottes, bei dem das zu Wählende schon durchgeführt und das Kommende schon vollendet ist? Wenn nämlich Gott bereits im voraus weiß, wie unsere Taten beschaffen sein werden und welche Früchte das Wollen eines jeden zeitigt, um wieviel mehr wird er da erst seine eigenen Werke kennen! Mit Recht traf er demnach die Anordnung, daß als geschehen dargestellt werden sollte, was nicht ungeschehen bleiben konnte. Als die Apostel die Drohungen und Verfolgungen der Feinde Christi über sich ergehen lassen mußten, wandten sie sich, vom Geiste Gottes erfüllt, einmütigen Sinnes an ihn mit den Worten: "Wahrhaftig sind in dieser Stadt wider deinen heiligen Diener Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus, mit den Heiden und den Stämmen Israels vereint, zusammengekommen, um zu tun,was deine Hand und dein Ratschluß festgesetzt hatte, daß es geschehe!"2 . Liegt nun etwa in Gottes Ratschluß der Grund für die Ungerechtigkeit der Verfolger Christi? Hat etwa Gottes Hand die Waffen zu jenem Frevel geliefert, der größer als jedes Verbrechen ist? Nie und nimmer darf man dies von der höchsten Gerechtigkeit selber glauben. Ein großer Unterschied, ja geradezu ein Gegensatz besteht zwischen dem von Gott geplanten Leiden Christi und der ihm voraus bekannten Bosheit der Juden; denn der Wunsch zu töten entsprach nicht denselben Beweggründen wie der zu sterben. Und nicht dieselbe Gesinnung war es, die sich in der Sanftmut des Erlösers und in der Grausamkeit seiner verruchten Verfolger offenbarte. Der Herr forderte nicht seine Feinde auf, Hand an ihn zu legen, sondern duldete es nur. Und wenn er auch von vornherein wußte, was geschehen sollte, so hat er doch die Ausführung nicht erzwungen, obgleich er zu dem Zwecke Mensch geworden war, daß es geschehen könnte .

1: vgl.Ps 21,17 ff.
2: Apg 4,27f.

 

 

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