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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.

Sermo LXVI. 15. Predigt über das Leiden des Herrn.

1.

Geliebteste! Da die gesamte Kirche die Abschnitte des Evangeliums über das hochheilige Leiden des Herrn schon oft gemeinschaftlich vernommen hat. sind ihr diese so bekannt, daß ein jeder von euch den Hergang der Ereignisse sozusagen mit eigenen Augen gesehen zu haben meint. Nicht gering aber darf man den Fortschritt derer bemessen, die keinen Zweifel gegen das Gehörte in sich aufkommen lassen, so daß sie selbst dann, wenn sie ein Geheimnis der Heiligen Schrift noch nicht klar zu erfassen vermögen, dennoch unerschütterlich daran festhalten, daß Gottes Wort nicht lügen kann. Weil nun einem aufrichtigen Glauben die reichste Erkenntnis verheißen ist, so sollen die Herzen der Erleuchteten mit aller Kraft darnach streben, dieser Unterweisung durch den Heiligen Geist auch würdig zu werden! Sie sollen sich nicht damit begnügen, die Reihenfolge der Tatsachen zu kennen, wenn sie nicht zugleich auch einen Einblick in die Gründe haben, weshalb ihnen Barmherzigkeit zuteil wurde! Wird doch die menschliche Natur ihren Schöpfer um so mehr lieben, je mehr sie einsieht, wie sehr sie von ihm geliebt wurde. Für Gott gab es keinen anderen Beweggrund, sich unser zu erbarmen, als seine Güte. Noch größere Bewunderung als die erste Erschaffung des Menschen verdient seine zweite. Denn mehr bedeutet es, wenn Gott in jüngster Zeit wieder aufrichtete, was verloren war, als wenn er zu Beginn der Welt etwas schuf, was noch nicht bestand. Die Freiheit der schuldlosen menschlichen Natur, die wir durch den Ungehorsam unserer Stammeltern einbüßten, wurde durch keinerlei Verdienste der Frommen früherer Jahrhunderte wiedererrungen, weil das gegen die Übertreter des Gebotes ausgesprochene Urteil alle Sprößlinge der in Knechtschaft geratenen Nachkommenschaft umfaßte1 . So blieb also keiner vom Fluche verschont, weil auch keiner ohne Schuld war. Allein die durch den Heiland gebrachte Erlösung vernichtete das Werk des Satans und sprengte die Fesseln der Sünde. Dieses Geheimnis seiner Liebe verwirklichte er in der Weise, daß zwar die ganze im voraus bestimmte Zahl der Menschen bis ans Ende der Welt den Tod kosten muß, die auf der Rechtfertigung des gleichen Glaubens aber beruhende Wiedergeburt auch den verflossenen Zeiten zugute kommt. Wurden doch alle durch die Menschwerdung des Wortes, durch den Tod und die Auferstehung Christi gerettet. Das Blut des einzigen Gerechten, das nach unserer Überzeugung für die Versöhnung der Welt vergossen wurde, bringt uns denselben Gewinn, den es schon den Vätern brachte, die aus ähnlichen Gründen an seine Vergießung glaubten.

1: vgl.Ps 50,7:Röm 5,12

 

 

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