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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.
Sermo LXVI. 15. Predigt über das Leiden des Herrn.

4.

Vom Geiste Gottes belehrt, laßt uns, Geliebteste, bei der Feier des unsagbar großen Ostergeheimnisses erkennen, wer uns einladet, seine Herrlichkeit mit ihm zu teilen, und welche Hoffnung sich uns aufgetan hat! Darf uns doch diese hastende Welt mit ihren Leiden und Freuden nicht so in Anspruch nehmen, daß wir nicht von ganzem Herzen darnach streben, unserem Erlöser durch Nachahmung seines Beispiels ähnlich zu werden; denn sein ganzes Wirken und Dulden hatte nur unser Heil im Auge, damit die Kraft, die dem Haupte innewohnt, auch auf den Leib übergehe. Betrachten wir einmal die Annahme unserer Natur durch die Gottheit, wodurch "das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat!"1 . Wer blieb von diesem Werke der Barmherzigkeit ausgeschlossen, wenn man von den Ungläubigen absieht? Wer hätte nicht Anteil an der Natur Christi, wenn er sich dem zuwandte, der die Menschheit angenommen hatte, und wenn er durch denselben Geist wiedergeboren wurde, durch den jener gezeugt worden war?2 . Wer fände nicht an ihm seine eigenen Schwächen? Wer sollte nicht einen Beweis für die Knechtsgestalt des Herrn sehen, wenn dieser Speise zu sich nimmt, der Ruhe und des Schlummers pflegt, Schmerz und Trauer empfindet und Tränen der Rührung vergießt? Weil nun unsere Natur von den alten Wunden geheilt und von dem Schmutz der Sünde gereinigt werden sollte, wurde der eingeborene Sohn Gottes zugleich auch zum Sohne der Menschen. Dies geschah in der Weise, daß ihm nichts von dem fehlt, was den wahren Menschen und die volle Gottheit ausmacht. Unser Fleisch war es, was die jungfräuliche Mutter in Verbindung mit der Gottheit gebar und die verbrecherischen Juden ans Kreuz schlugen. Unser Fleisch war es, was leblos im Grabe lag, am dritten Tage wieder auferstand und über alle Himmelshöhen emporstieg, um zur Rechten des allmächtigen Vaters zu sitzen. Wenn wir also auf dem Wege seiner Gebote wandeln und uns nicht schämen, an das zu glauben, was er als armseliger Mensch für unsere Erlösung getan hat, dann werden auch wir an seiner Herrlichkeit teilnehmen; denn sicherlich geht in Erfüllung, was er uns verheißen hat: "Einen jeden, der mich vor den Menschen bekennt, werde auch ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist"3 .

1: vgl.Joh 1,14
2: vgl.Mt 1,18.20
3: Mt 10,32 u.a.

 

 

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