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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.
Sermo LXVI. 15. Predigt über das Leiden des Herrn.

2.

So steht also, Geliebteste, der christliche Glaube nirgends mit den Vorbildern des Alten Bundes in Widerspruch. Und die Gerechten, die uns vorangegangen sind, haben stets nur in unserem Herrn Jesus Christus das Heil erhofft. Wenn auch nach Gottes Willen und Ratschluß die hierfür getroffenen Anordnungen mannigfacher Art waren, so deuten doch die Zeugnisse des Gesetzes, die Weissagungen der Propheten und die verschiedenen Opfer auf das gleiche Ziel hin. In der Weise sollten die damaligen Völker unterwiesen werden, daß ihnen unter einem Schleier gezeigt wurde, was sie ohne diesen nicht fassen konnten. Auch das Evangelium mußte an Ansehen gewinnen, wenn so viele Vorbilder und Geheimnisse des Alten Testamentes ihm dienstbar waren. Darauf beziehen sich auch die Worte des Herrn, daß er nicht gekommen sei, das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen1 . Der Jude sieht nun für sich einen Vorteil darin, daß er "fleischlichen Sinnes" am bloßen Buchstaben2 festhält. Davor müßte ihn aber neben anderem das gegenteilige Zeugnis jener Schriften warnen, die erst bei uns so recht bedeutungsvoll werden, indem sie uns nicht nur durch Prophezeiungen belehren, sondern uns auch durch ihre Erfüllung reichen Nutzen bringen. Wenn der Herr sagt: "Wenn ich erhöht bin, werde ich alles an mich ziehen"3 , so meint er damit, daß es dann keine Vorschrift des Gesetzes und keine Weissagung der Propheten mehr gibt, die nicht in den Sakramenten Christi völlig verwirklicht wäre. Bei uns findet man von nun an das Kennzeichen der Beschneidung, die heiligen Salbungen und die Weihe der Priester, bei uns ein reines Opfer, eine wahre Taufe und einen ehrwürdigen Tempel. Darum haben auch mit Recht die Prophezeiungen nunmehr aufgehört, nachdem eingetreten ist, was prophezeit worden war. Wenn sich aber auch jetzt die Gnade in ihrer ganzen Fülle geoffenbart hat, so unterlassen wir es deswegen doch nicht, jene Verheißungen in Ehren zu halten. Da nun nach den Worten des Apostels "die Verblendung über einen Teil Israels gekommen ist"4 imd die Kinder des Fleisches nicht zugleich auch Kinder der Verheißung sind5 , hat sich die unsagbar große Barmherzigkeit Gottes aus allen Stämmen ein israelitisches Volk geschaffen. Sie erweichte das harte und unbeugsame Herz der Heiden und erweckte sich aus Steinen wahre Nachkommen Abrahams6 . Sollten doch alle, die vom Fleische stammen und in den Banden der Sünde liegen7 , eine geistige Wiedergeburt feiern. Gleichgültig sollte es von nun an sein, wen man zum Vater habe, da alle, die sich zum gleichen Glauben bekennen, durch den Taufquell schuldlos und durch die Annahme an Kindes Statt zu Erben8 werden.

1: Mt 5,17
2: der Offenbarung
3: Joh 12,32
4: Röm 11,25
5: vgl.Röm 9,8
6: vgl.Mt 3,9
7: vgl. Röm 3,9
8: des Himmelreiches

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger