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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.
Sermo LXV. 14. Predigt über das Leiden des Herrn.

2.

Nachdem wir bereits von den Begebenheiten gesprochen haben, die dem Leiden des Herrn vorangegangen sind, laßt uns nunmehr von den Lehren handeln,die das Ostergeheimnis in sich birgt! Die wütenden Juden betrieben also mit Feuereifer die Ausführung ihres Verbrechens. Da aber Gottes war, der in Christus die Welt mit sich versöhnen wollte1 , so hätte dem Tempel des Leibes Jesu kein Leid angetan werden könnenm, wäre er nicht selbst damit einverstanden gewesen. Wurde doch die wilde Soldatenschar und die von den Ältesten des Volkes und den Pharisäern mit Schwertern und Knüppeln ausgesandte Menge durch ein einziges Wort des Herrn über den Haufen geworfen. Als nämlich die Rotte schrie, sie suche Jesus von Nazareth, und dieser zu ihnen sprach: "Ich bin es"2 , konnte sich keiner mehr auf seinen Füßen halten. Alle verloren sogleich die Herrschaft über ihre Glieder, und zurückweichend fielen sie ohnmächtig zu Boden3 . Das war doch wahrhaftig ein Zeichen göttlicher Macht, wenn der Angriff der Gottlosen weder durch bewaffneten Widerstand, noch durch die Hilfe irgendeines starken Wesens, sondern einzig und allein durch die Kraft seines Wortes zurückgeschlagen wurde. Weil jedoch die Erlösung des Menschengeschlechts einen anderen Gang der Ereignisse forderte und das Blut Christi nicht zum Kaufpreis für die Gläubigen werden konnte, wenn sich der Heiland nicht ergreifen ließ, überlieferte er sich den Händen der Frevler. Er hielt seine göttliche Macht zurück, um seinen glorreichen Leidensweg antreten zu können. Dieses Leiden wäre nur ein leeres Trug und Scheinbild gewesen, das niemand zu nützen vermochte, hätte nicht der wahre Gott das wahre Fühlen und Empfinden des menschlichen Leibes angenommen. Auf diese Weise sollte der eine Sohn Gottes und des Menschen, der zufolge seiner göttlichen Natur unverletzlich, zufolge seiner menschlichen leidensfähig ist, uns Sterbliche durch seine Unsterblichkeit erneuern. Aus diesem Grunde wies er auch nicht Furcht und Bangigkeit zurück, um uns gegen derartige Schrecken nicht allein durch seine geheimnisvolle Unterwürfigkeit, sondern auch durch das Beispiel seiner Standhaftigkeit zu stärken. Würde doch seine Ermahnung zur Ausdauer ungerecht erscheinen, wäre er nicht mit uns durch das Band der Schwachheit verbunden.

1: vgl.2 Kor 5,19
2: Joh 18,5
3: ebd 18,6

 

 

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