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Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen.
Ps. 91
Abhandlung über die Aufschrift des XCI. Psalmes.

10.

Es ist aber dieser der vollkommene Sabbath, diese die wahre Ruhe, für welche wir wie für den irdischen Sabbath alle Lebensbedürfnisse am vorhergehenden Tage bereiten müssen. Denn die Juden bereiten nach der Vorschrift des Gesetzes an dem Tage, welcher vor dem Sabbathe ist, alles, was am Sabbathe nothwendig ist, und es muß jede Speise und jeder Trank vorher besorgt, zubereitet und hergerichtet werden, ohne daß sie einsehen, daß hierin der Umriß der künftigen Wahrheit sich darstelle. Wie nämlich zur Erlangung der Ruhe des Sabbaths die Geschäfte des vorigen Tages verdoppelt werden müssen, (denn es müssen sowohl die Bedürfnisse des Tages selbst, als auch die des Sabbaths besorgt werden,) so müssen auch wir uns auf den ewigen Sabbath, welchen wir erwarten, durch solche Geschäfte des gegenwärtigen Lebens, von welchen wir dort Nutzen ziehen können, vorbereiten, und das thun, was jetzt nothwendig ist, und uns die Ruhe des Sabbaths erkaufen wird. Damit wir also von der Ruhe dieses Sabbathes, das ist, wie wir oben gezeigt haben, von der Gemeinschaft Christi und der Engel nicht auch durch den Schwur Gottes ausgeschlossen werden, so müssen wir wirken und uns verdient machen, und durch die sorgfältige Uebung früherer Werke uns die ewige Ruhe bereiten, durch Wachen und Beten, durch anhaltendes Lesen, durch freiwilliges Fasten, durch stille Demuth, durch gute Werke, durch unbefleckte Keuschheit, durch standhafte Geduld. Dieses muß man am Tage vorher zur Ruhe des ewigen Sabbaths bereiten; damit nach der Umgestaltung unserer vergänglichen Schwachheit in die [S. 384] himmlische Herrlichkeit weder der Wille nach Sünde, noch der Ehrgeiz nach Ruhm, noch der Stolz nach Ehre, noch die Arbeit nach Ruhe, noch der Körper nach Speise, noch die Ermüdung am Tage nach dem Schlafe bei Nacht sich sehne; sondern daß uns ein ewiges, unauslöschliches Licht, der gemeinschaftliche Genuß der Güter, das himmlische Wort Gottes in Fülle, und der ewige Lobgesang Gottes mit den Chören der Engel zu Theil werde. Dieses, ist der Lohn des Glaubens, dieses die Herrlichkeit der Auferstehung des Leibes, wo man sich nach nichts mehr sehnen darf, weil man nichts entbehrt; wo man nicht aus Neid zu wetteifern braucht, weil man in Gemeinschaft lebt; wo man nicht mehr entweder durch eine Krankheit Schmerz empfindet, oder mit dem Alter wächst, weil man in Unsterblichkeit fortdauert. Aber wir müssen den Teufel quälen, alles Böse vertilgen, und unsere ewige Blüthe zu erhalten suchen. Für die Ruhe dieses Sabbathes also preiset der Sohn Gott den Vater. Dieses Lob wird in seiner Person am Ende gesungen; dieses wird, wie wir aus der Erklärung der einzelnen Verse ersehen werden, nach der Erlangung der Unsterblichkeit der Menschen ausgesprochen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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