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Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen.

Ps. 68

Der LXVIII. Psalm.

Der LXVIII. Psalm.

Zum Ende, für die, welche verwandelt werden sollen, ein Psalm für den David.1

„Rette mich, o Gott! denn die Wasser sind gedrungen bis zu meiner Seele. Ich stecke im Schlamme der Tiefe, [S. 334] und da ist kein Grund. Ich bin gekommen in die Tiefe des Meeres, und der Sturm hat mich versenket. Ich habe mich abgemühet mit Rufen, heiser ist geworden mein Hals; meine Augen sind ermattet, während ich hoffe auf meinen Gott. Zahlreicher, als die Haare meines Hauptes, sind die, welche mich umsonst hassen. Stark geworden sind meine Feinde, welche mich ungerecht verfolgen; was ich nicht geraubt habe, dessen Bezahlung wurde von mir gefordert. Gott, du kennest meine Thorheit, und meine Missethaten sind vor dir nicht verborgen. Nicht sollen in mir beschämt werden diejenigen, welche auf dich hoffen, o Herr der Heerschaaren! Nicht schämen sollen sich über mich diejenigen, welche dich suchen, Gott Israels! Denn deinetwegen ertrug ich Schmach, bedeckte Scham mein Angesicht. Fremd bin ich geworden meinen Brüdern, und ein Fremdling den Kindern meiner Mutter, weil die Ereiferung für dein Haus mich verzehret, und die Schmähungen der dich Schmähenden auf mich gefallen sind. Und ich habe in Fasten meine Seele gehüllt, es ist mir zur Schmach geworden. Ich habe einen Sack zu meinem Kleide gemacht, und ich bin ihnen zum Sprüchworte geworden. Gegen mich stießen Verleumdungen aus, die da saßen am Thore; und es sangen auf mich, die da Wein tranken. Ich aber richte, o Herr! mein Gebet an dich; es ist die Zeit des Wohlgefallens, o Gott! In der Menge deiner Barmherzigkeit erhöre mich, und in der Wahrheit deines Heiles. Errette mich aus dem Schlamme2, auf daß [S. 335] ich nicht stecken bleibe; und aus der Tiefe der Wasser. Es versenke mich nicht das Toben des Wassers, es verschlinge mich nicht die Tiefe, und es verschließe über mir die Grube ihren Mund nicht. Erhöre mich, o Herr! denn süß ist mir deine Barmherzigkeit; schaue der Menge deiner Erbarmung gemäß auf mich. Wende dein Angesicht nicht ab von deinem Knechte; denn ich werde gequält, geschwind erhöre mich! Habe Acht auf meine Seele, und befreie sie; um meiner Feinde willen rette mich! Denn du kennest meine Schmach, und meine Schande, und meine Scham: vor deinem Angesichte sind alle, die mich quälen; mein Herz hat Schmach und Elend erwartet. Ich wartete auf einen Mittrauernden, und es war keiner da; auf einen Tröstenden, und ich fand keinen. Und sie gaben mir zur Speise Galle, und in meinem Durste tränkten sie mich mit Essig. Ihr Tisch werde vor ihnen zum Fallstricke, und zur Vergeltung, und zum Aergernisse. Ihre Augen sollen dunkel werden, daß sie nicht sehen; und ihren Rücken krümme immer. Gieß aus über sie deinen Zorn; und der Grimm deines Zornes ergreife sie! Oede werde ihre Wohnung, und in ihren Hütten sey keiner, der da wohne; weil sie den verfolgt haben, welchen du geschlagen hast, und zu dem Schmerze meiner Wunden noch Schmerz gefügt haben. Häufe Sünde auf ihre Sünden; und nicht eingehen sollen sie in deine Gerechtigkeit. Sie sollen vertilgt werden aus dem Buche der Lebendigen, und nicht geschrieben werden zu den Gerechten. Ich bin arm und leidend; und das Heil deines Angesichtes, o Gott! hat mich aufgenommen. Ich werde preisen Gottes Namen mit Gesang, und ihn verherrlichen mit Lob; und es wird Gott mehr gefallen, als ein junges Kalb, dem Hörner und Klauen wachsen. Die Armen sollen es sehen, und sich freuen; suchet Gott, und lebendig wird euere Seele; denn den Armen hat der Herr erhört, und seine Gefesselten hat er nicht verachtet. Es lobe ihn der Himmel, die [S. 336] Erde, das Meer und alles Kriechende dann; denn der Herr wird Sion retten, und Judas Städte werden erbauet werden. Und sie werden in demselben wohnen, und die Erde erben. Und der Same seiner Knechte wird es besitzen; und die, welche seinen Namen lieben, werden es bewohnen.“

1: Notker sagt zu diesem Psalme: „Selbemo David, selbemo Christo wird dieser psalmus kesungen. Er selbo saget uns dar ana sina Martira, mit dero wir wurden irlosit unde ferwandilot fone tod libe ze ewigemo Libe, ferwandilot fone erdlibe ze himillibe, fone erwartemo libe ze unirwartemo.“ (Vom David selbst, von Christo selbst, wird dieser Psalm gesungen. Er selbst sagt uns darin sein Leiden vorher, mit dem wir wurden erlöset und verwandelt vom todten Leben zum ewigen Leben, verwandelt vom Erdenleben zum Himmelleben, vom vergänglichen Leben zum unvergänglichen.)
2: Der Vatikanische Codex fügt hier noch bei: „Libera me ex odientibus me;“ (befreie mich von denen, die mich haffen;) diese Worte las auch Hilarius, wie aus dem § 15. erhellet.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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