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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.
Sermo LXII. 11. Predigt über das Leiden des Herrn.

4.

Dieser Verzeihung konnte der Verräter Judas nicht teilhaftig werden, weil er sich als ein "Sohn des Verderbens"1 , dem der Satan zur Rechten stand2 , der Verzweiflung hingab, bevor noch Christus das Geheimnis der allgemeinen Erlösung vollendet hatte. Durch den Tod, den der Herr für alle Sünder erlitt, wäre wohl auch er gerettet worden, hätte er nicht so rasch zum Stricke gegriffen3 . Allein in sein boshaftes Herz, das sich bald mit Betrug und Dieberei4 , bald mit Verrat und Mord beschäftigte, hatte die Lehre von der Barmherzigkeit des Heilandes nie Eingang gefunden. Gottlosen Sinnes hatte er die Worte des Herrn vernommen: "Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder"5 . Gottlosen Sinnes hörte er den Ausspruch; "Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren war"6 . Ohne Verständnis stand er der Güte Christi gegenüber, der nicht nur sieche Leiber gesund machte, sondern auch die Wunden kranker Seelen heilte. Sprach doch der Herr zu dem Gichtbrüchigen: "Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!"7 und zu der Ehebrecherin, die man vor ihn geführt hatte: "Auch ich will dich nicht verdammen, gehe hin und sündige nicht mehr!"8 . Durch all seine Taten wollte er also zeigen, daß er bei seiner Ankunft nicht als Richter der Welt, sondern als ihr Erlöser erschienen sei. Dieser Erkenntnis fern legte der gottlose Verräter Hand an sich selbst, aber nicht aus wohlbedachter Reue, sondern aus wilder Verzweiflung. So sündigte derjenige, der den Urheber des Lebens an seine Mörder verschachert hatte, selbst noch durch seinen Tod, indem er dadurch seine Schuld nur vergrößerte.

1: Joh 17,12
2: vgl.Ps 108,6
3: vgl.Mt 27,5;Apg 1,18
4: vgl.Joh 12,6
5: Mt 9,13 u.a.
6: Mt 18,11;Lk 19,10
7: Mt 9,2.u.a.
8: Joh 8,11

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger