Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen. Ps. 61 Der LXI. Psalm
Der LXI. Psalm. Zum Ende, für Idithun, ein Psalm Davids. „Wird meine Seele Gott nicht Unterthan seyn? Von ihm kommt ja mein Heil. Denn er selbst ist mein Gott und mein Heiland, meine Zuflucht; ich werde nicht mehr wanken. Wie lange stürmet ihr los auf den Menschen, wie auf eine hangende Wand und eine sinkende Mauer, und gehet mit Mord um, ihr alle? Sie wollen mir rauben die Ehre; durstend laufe ich; sie segnen mit ihrem Munde, und verfluchen in ihrem Herzen,1 Jedoch meine Seele wird Gott unterthan seyn; weil von ihm meine Geduld kommt. Denn er ist mein Gott und mein Heiland, mein Helfer, ich werde nicht weichen. In Gott ist mein Heil und mein Ruhm; Gott ist meine Hülfe, und meine Hoffnung ist in Gott. Hoffet auf ihn, alle Völker, die ihr euch versammelt; schüttet aus vor ihm euere Herzen, denn Gott ist unser Helfer.“ — Ein Diapsalma. — Aber eitel [S. 209] sind die Menschenkinder, lügenhaft die Menschenkinder auf der Wage; so daß sie aus Eitelkeit in ebendieselbe Täuschung gerathen. Setzet euere Hoffnung nicht auf die Ungerechtigkeit, und lasset euch nicht gelüsten nach Raub. Wenn euch Reichthum zuströmt, so hänget das Herz nicht daran! Ein Mal hat Gott gesprochen; diese zwei Stücke vernahm ich, daß bei Gott die Macht ist, und daß bei dir, o Herr, die Barmherzigkeit ist;2 denn du wirst einem Jeden nach seinen Werken vergelten.“
1: Hilarius hat hier ein Diapsalma. 2: Matth. XVI, 27.
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