Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen. Ps. 57Der LVII. Psalm
Der LVII. Psalm. Zum Ende. Vertilge nicht! Eine Denkschrift Davids. „Wenn ihr ja in Wahrheit Gerechtigkeit redet, so urtheilet, was recht ist, ihr Menschenkinder! Aber ihr wirket Bosheit im Herzen; euere Hände stiften Unrecht auf Erden. Abgewichen sind die Sünder vom Mutterleibe an; sie irren seit der Geburt, und reden Lügen. Ihr Wüthen ist gleich dem Wüthen einer Schlange, gleich dem einer tauben Natter, die ihre Ohren verstopft, daß sie nicht höre die Stimme der Beschwörer, und1 des Zaubermittels, welches von dem Kundigen bereitet ist. Gott wird zerschmettern ihre Zähne, in ihrem Maule; die Backenzähne der Löwen wird zerbrechen der Herr.2 Sie wer- [S. 169] den vergehen wie ablaufendes Wasser; er wird seinen Bogen spannen, bis sie kraftlos werden. Wie geschmolzenes Wachs werden sie hinweggenommen werden; Feuer fällt auf sie, und sie sehen die Sonne nicht. Ehe der Kreuzdorn euere Dörner hervorbringt, wird er sie wie lebendig im Zorne verschlingen. Der Gerechte wird sich freuen, wenn er die Rache sehen wird; er wird seine Hände waschen im Blute des Sünders. Und er wird fragen, ob dem Gerechten eine Frucht werde. Allerdings; es ist ein Gott, welcher sie richtet auf Erden.“ 1: Hilarius liest medicamenti medicati für veneficii, quod medetur. 2: Für nihilum devenient liest Hilarius spernentur.
|