Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen. Ps. 54Der LIV. Psalm.
Der LIV. Psalm. Zum Ende, unter den Gesängen, eine Unterweisung Davids.1 „Erhöre, o Gott, mein Gebet, und schaue nicht weg von meinem Flehen; hab Acht auf mich, und gib mir Gehör. Ich bin traurig in meiner2 Uebung, und bestürzt durch die Stimme des Femdes und durch die Drangsal des Sünders; denn sie wenden Ungerechtigkeiten gegen mich und sind mir in ihrem Zorne lästig. Mein Herz ist geängstiget in mir; und die Furcht des Todes ist auf mich gefallen. Furcht und Zittern ist gekommen über mich; und Finsternisse haben mich bedeckt. Und ich sprach: Wer wird mir Flügel geben, wie einer Taube, daß ich fliege und ruhe? Siehe! ich floh in die Ferne, und blieb in der Wüste.“ — Ein Diapsalma. „Ich wartete auf den, welcher mich rettete von der Kleinmüthigkeit des Geistes und von dem Sturme. Stürze sie Herr, theile ihre Sprachen; denn ich sah Ungerechtigkeit und Widerspruch in der [S. 133] Stadt. Tag und Nacht umgibt er sie über ihren Mauern, und in der Mitte derselben ist Mühsal und Ungerechtigkeit; und von ihren Strassen weichet nicht Wucher und Betrug. Ja, wenn mein Feind mir geflucht hätte, so würde ich es ertragen haben. Und wenn der, welcher mich haßte, über mich groß gesprochen hätte, so würde ich mich gewiß vor ihm verborgen haben. Du aber bist ein gleichgesinnter Mann, mein Führer und mein Bekannter, der du zugleich mit mir süsse Speisen kostetest; im Hause Gottes wandeten wir mit Eintracht. Der Tod komme über sie; zur Hölle sollen sie lebendig fahren; denn Bosheit ist in ihren Wohnungen, in ihrer Mitte. Ich aber rufe zu Gott, und der Herr erhöret mich. Abends und Morgens und Mittags will ich erzählen, und verkünden; und er wird erhören meine Stimme. Er wird befreien im Frieden meine Seele von denen, welche mir nahe sind: denn unter vielen waren sie bei mir. Und Gntt wird mich erhören, und sie demüthigen, der da ist vor den Zeiten.“ Ein Diapsalma. — „Denn bei ihnen findet keine Veränderung Statt, und sie fürchten Gott nicht; er strecket seine Hand aus bei der Vergeltung. Entheiliget haben sie seinen Bund; getheilt sind sie worden von dem Zorne seines Angesichtes. Und sein Herz ist nahe. Seine Worte sind weicher, als Oel, aber gleichwohl Pfeile. Wirf deinen Gedanken auf den Herrn, und er wird dich erhalten; er wird ewiglich nicht wanken lassen den Gerechten. Ja, du, o Gott! wirst sie hinabführen in den Brunnen des Verderbens. Die Männer des Blutes und des Truges werden nicht erreichen die Hälfte ihrer Tage; ich aber will vertrauen auf dich.“ [S. 134] 1: Nach der gemeinsamen Meinung der Ausleger soll sich David in diesem Psalme über die Absolomische Empörung, insbesondere über den abtrünnigen Achitopfel beklagt haben. S. 2. Kon. XV, 31. Der Christ denke wieder an die Feinde seines Heiles. 2: Nach andern, „in meinem Streite.“ Unter dieser Uebung versteht der heilige Augustin die Trübsal, der heil. Hieronymus die Betrachtung der Leiden.
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