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Hilarius von Poitiers († 367) - Abhandlungen über die Psalmen.
Vorrede zu dem Buche der Psalmen

20.

In einem solchen Psalme nämlich, welcher bloß die Aufschrift Psalmus hat, sind Wirkungen des Glaubens und fromme Handlungen entweder gelehrt oder ausgesprochen, indem uns der Prophet durch Anführung dessen, was er gethan hat, Belehrung zur Vollbringung ähnlicher Handlungen ertheilt, und die Bewegung unseres leiblichen Instrumentes zu frommen Pflichtübungen leitet. Ist aber in der Aufschrift nur Canticum gesagt, so ist dann die geistige Weisheit und die Erkenntniß des himmlischen Geheimnisses, [S. 335] welche man durch die Erkenntniß der Weisheit erlangt, enthalten; indem der Gesang ohne Erwähnung der Wirkungen des Glaubens nur die Lehre der vollkommenen Erkenntniß von Gott darstellt. Denn nicht sogleich besteht alle Weisheit in einem guten Werke; und nicht ein jedes gute Werk erlangt hinwiederum die wahre Weisheit. Daher kommt auch jenes, was sich in der dritten Gattung der Ueberschriften findet, nämlich die Aufschrift Canticum Psalmi, wenn mit dem Wirken guter Werke die Lehre der Weisheit verbunden wird. Denn zuvor muß man in guten Werken leben, damit die Erkenntniß des göttlichen Geheimnisses, welche dann nachfolgt, vollkommen seyn kann, nach dem Ausspruche:1 „Verlangest du Weisheit, so halte die Gebote, und der Herr wird sie dir geben.“ Also verleiht der Herr die Weisheit denen, welche durch das Verdienst guter Werke die Gnade der Erkenntniß erlangen. Aus diesem Streben nach Werken und Lehre nun wird der Stoff eines solchen Psalmes, welcher die Aufschrift „Psalm-Gesang“ hat, erkannt werden können. Wo es aber heißt Psalmus Cantici, dort wird von der durch die Weisheit der Erkenntniß hervorgerufenen Ausübung eines guten Werkes gehandelt; weil die früher von Gott erlangte Erkenntniß das Wirken der Werke des Glaubens zum Gegenstande unserer Sehnsucht macht.

1: Ekklesiast. I, 33.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger