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Hilarius von Poitiers († 367) - Der Brief an seine Tochter.

6.

Nach dieser Rede, o Tochter, stand ich freudig auf, und schrieb im Besitze dieses Geheimnisses diesen Brief an dich, indem ich dich mit vielen Thränen bitte, daß du dich für dieses Kleid und diese Perle bewahren, und den alten Vater durch den Verlurst nicht unglücklich machen mochtest, welchen du erleiden würdest, wenn du dieses Kleid und diese Perle nicht besäßest. Ich rufe aber, o Tochter, den Gott des Himmels und der Erde zum Zeugen an, daß es nichts kostbareres gibt, als dieses Kleid und diese Perle ist, und daß es in deiner Macht steht, dieselben zu besitzen. Wenn dir je ein anderes Kleid gebracht wird, sey es ein seidenes, ein buntfarbiges, oder ein mit Gold geschmücktes, so sage du nur zu dem, welcher es dir anbietet! Ich erwarte ein anderes Kleid, wegen dessen mein Vater schon so lange von mir getrennt in fremden Ländern ist, das er mir sucht, und das ich nicht besitzen kann, wenn ich dieses habe. Mir genügt die Wolle von einem Schafe, mir genügt die Farbe, welche die Natur gibt, mir genügt ein wohlfeiles Gewebe; denn ich sehne mich nach dem Kleide, welches, wie es heißt, nicht abgenützt, nicht abgetragen und nicht zerrissen werden kann. Sollte dir aber eine Perle angetragen werden, um sie entweder an den Hals zu hängen oder an den Finger zu stecken, so sage folgendes: Diese unnützen und schmutzigen Perlen sollen mich nicht hindern, sondern ich erwarte eine überaus kostbare, schöne und nützliche Perle. Ich glaube meinem Vater, weil dieser auch dem, der ihm dieselbe versprach, geglaubt hat, und wegen welcher er, wie er mir geschrieben hat, sogar sterben will; diese erwarte ich, nach dieser sehne ich mich, welche mir das Heil und das ewige Leben verleihen wird.
[S. 220]

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger