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Hilarius von Poitiers († 367) - Der Brief an seine Tochter.

5.

Nachdem er meine Worte vernommen hatte, befahl er mir aufzustehen, und sprach zu mir: Deine Bitten und Thränen haben mich gerührt, und es ist gut, daß du dieses geglaubt hast. Und weil du sagtest, du wollest für diese Perle selbst dein Leben aufopfern, so kann ich dir dieselbe nicht versagen; aber wissen sollst du meinen Vorsatz und Willen. Das Kleid, welches ich dir geben werde, ist so beschaffen, daß die, welche ein anderes farbiges, seidenes und mit Gold geschmücktes tragen will, mein Kleid nicht erlangen kann. Sondern ich werde es derjenigen geben, die sich begnügt, nicht mit einem seidenen Gewände, sondern mit natürlichen Farben und wohlfeilem Gewebe sich zu kleiden; so daß der Gewohnheit wegen das Kleid einen sehr engen Purpurstreif habe, sich aber der Purpur nicht über das ganze Kleid ausbreite. Die Perle ferner, welche du von mir begehrst, hat die Beschaffenheit, daß sie Niemand besitzen kann, der eine andere Perle hat; denn andere Perlen sind entweder aus der Erde oder aus dem Meere, die meinige aber ist, wie du selbst siehst, prächtig und kostbar, unvergleichlich und himmlisch, und sie will nicht dort seyn, wo andere sind. Meine Dinge haben nämlich mit denen der Menschen nichts gemein, denn wer mein Kleid und meine Perle besitzt, der ist in Ewigkeit gesund, den ergreift nicht Fieberhitze, der ist für keine Wunde empfänglich, der ändert sich nicht mit den Jahren, und wird durch den Tod nicht aufgelöset; denn er bleibt sich immer gleich und ewig. Ich will dir jedoch auf dein Bitten dieses Kleid und diese meine Perle geben, damit du sie deiner Tochter bringest. Allein zuvor mußt du wissen, was deine Tochter will. Wenn sie sich dieses Kleides und dieser meiner Perle würdig [S. 219] macht, das heißt, wenn sie keine seidenen, mit Gold geschmückten und bunt gefärbten Kleider haben will, und jede andere Perle haßt, so will ich dir das, um was du mich bittest, gewähren.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger