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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.

Sermo LVIII. 7. Predigt über das Leiden des Herrn.

1.

Geliebteste! Dem Osterfeste liegt, wie ich weiß, ein so erhabenes Geheimnis zugrunde, daß es nicht allein die geringen Fähigkeiten meiner Wenigkeit, sondern auch die Kraft großer Geister übersteigt. Dennoch darf ich jene hochherzige Tat Gottes nicht in der Weise betrachten, daß ich wegen der mir obliegenden Aufgabe verzage oder verlegen werde, da man von der wunderbaren Erlösung des Menschen nicht schweigen soll, selbst wenn man sie nicht zu erklären vermag. Und wenn ihr für mich betet, so wird mir die göttliche Gnade auch sicherlich ihren Beistand leihen. Möge sie mit dem Tau ihrer Erleuchtung mein unfruchtbares Herz benetzen, damit der Pflicht entsprechend aus dem Munde des Oberhirten Worte kommen, welche der sie vernehmenden frommen Herde Nutzen bringen! Sagt ja der Herr, der Spender alles Guten: "Tue deinen Mund auf, und ich will ihn füllen!"1 . Darum wagen wir auch zu ihm mit den Worten des Propheten zu sprechen: "Herr, öffne meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkünden!"2 .

So laßt uns denn, Geliebteste, beginnen, die Erzählung des Evangeliums über das Leiden des Herrn aufs neue durchzugehen! Da sehen wir, daß es in Gottes Ratschluß lag, daß die gewissenlosen Führer und pflichtvergessenen Priester der Juden, die schon oft eine Gelegenheit gesucht hatten, Christus zu verfolgen, nur am Osterfeste die Macht erhielten, ihrer Wut gegen ihn freien Lauf zu lassen. Sollte sich doch deutlich verwirklichen, was schon längst in vorbildlicher und geheimnisvoller Weise verheißen war, daß nämlich an Stelle des angedeuteten Osterlammes das wahre trat und die mannigfachen und verschiedenen Opfer3 in einem ihre Erfüllung fanden. All die Vorschriften, die in früheren Zeiten Moses infolge göttlicher Unterweisung über die Schlachtung des Osterlammes gegeben hatte4 , wiesen auf Christus hin und kündigten eigentlich seinen Opfertod an. Damit also die Schatten der Wirklichkeit weichen und die Vorbilder beim Erscheinen der Wahrheit aufhören, tritt an Stelle der alten Bräuche ein neues Geheimnis, wird Opfer durch Opfer,Blut durch Blut abgelöst und das Ostern des5 Gesetze durch Umgestaltung zur Vollendung gebracht.

1: vgl. Ps 8o,11
2: vgl.Ps 5o,17
3: des Alten Bundes
4: vgl.Ex 12,3ff
5: mosaischen

 

 

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