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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.

Sermo LVI. 5. Predigt über das Leiden des Herrn.

1.

Nachdem Christus, der Schöpfer und Herr aller Dinge, in ungewöhnlicher Weise aus der heiligen Jungfrau menschliche Natur angenommen hatte und von den Magiern in der Krippe1 anerkannt und angebetet worden war, nachdem er durch seine himmlische Lehre auf mannigfache Art die Menschen unterwiesen und durch die Macht seines Wortes die verschiedensten Krankheiten geheilt hatte, bringt er all seine im voraus bestimmten geheimnisvollen Taten und Wunder durch sein segensreiches Leiden zum Abschluß. So ist also, Geliebteste, das Kreuz des Herrn der wahre Grund und die Hauptursache der Hoffnung des Christen. Mag dieses auch den Juden ein "Ärgernis" und den Heiden eine "Torheit" sein2 , wir erblicken darin "Gottes Kraft" und "Gottes Weisheit"3 . Darum sollen wir auch dieses so bedeutungsvolle und wirksame Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit stets in unserem Herzen tragen, ohne daß es dadurch von seiner Erhabenheit etwas einbüßt! Jetzt aber, wo uns nicht allein durch die Wiederkehr der Zeit, sondern auch durch die verlesenen Worte des Evangeliums4 der ganze Hergang unserer Erlösung deutlich vor Augen geführt wird, muß sich unsere Seele noch inniger darein vertiefen und unser Geist ein noch klareres Bild davon zu gewinnen suchen! Darum dürfen auch die Lehren der Gottlosen bei uns keinen Anklang finden! Weder das Ärgernis der Juden noch der Spott der Heiden darf unsere reine und richtige Erkenntnis schädigen! Die für uns vollbrachten Taten des Herrn, in denen sich ebensosehr Schwäche wie Kraft offenbart, sollen uns weder für einen Menschen unmöglich, noch eines Gottes unwürdig erscheinen! Beides muß man annehmen und an beides glauben, weil niemand anders als durch beides gerettet werden kann. Hat doch der gerechte und barmherzige Gott nicht in der Weise von dem Rechte seines Willens Gebrauch gemacht, daß er nur seine Macht und Güte bei unserer Erlösung sprechen ließ. Nein, weil es nur folgerichtig war, daß der Sünder auch die Knechtschaft der Sünde trug5 , so sollte gerade dadurch den Kranken Genesung, den Schuldigen Verzeihung und den Gefangenen Erlösung zuteil werden, daß der gerechte Spruch, der sie verurteilt hatte,auch durch ein gerechtes Vorgehen ihres Befreiers aufgehoben würde. Hätte nämlich nur die Gottheit für die Sünder gekämpft, so wäre der Satan nicht so sehr der Gerechtigkeit als der Macht unterlegen. Und wenn umgekehrt nur die Natur des Menschen die Sache der Gefallenen geführt hätte, so wäre sie nicht aus ihrer6 Lage befreit worden, da sie nicht frei von der Sünde ihres Geschlechtes war. Darum mußte sich in der einen Person unseres Herrn Jesus Christus göttliche und menschliche Substanz miteinander verbinden, damit in dem "Fleisch gewordenen Worte"7 sowohl die Geburt wie das Leiden des "neuen Menschen"8 den Sterblichen Rettung brächte.

1: als der Sohn Gottes
2: vgl.1 Kor 1,23
3: ebd 1,24
4: Mt 26;27
5: Joh 8,34
6: traurigen
7: vgl.Joh 1,14
8: vgl.Eph 2,15

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger