Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.
Sermo LVI. 5. Predigt über das Leiden des Herrn.

2.

Während also die Blindheit der Juden in Jesus Christus nichts Göttliches sieht und die Weisheit der Heiden verachtet, was an ihm menschlich ist, indem jene die Hoheit des Herrn lästern und diese seine Niedrigkeit voll Geringschätzung von sich weisen, beten wir den Sohn Gottes in seiner Macht wie in seiner Schwachheit an. Wir schämen uns nicht des Kreuzes Christi und zweifeln trotz aller Einwände weder an seinem Tode noch an seiner Auferstehung. Was die Stolzen zum Unglauben verleitet, das führt uns zum Glauben. Was für jene eine Quelle der Verwirrung ist, das ist für uns ein Anlaß zur Frömmigkeit. Nachdem also der Herr seine Jünger ermahnt hatte, mit Wachsamkeit und Gebet den Kampf gegen die Macht der an sie herantretenden Versuchung zu führen, richtete er selbst an seinen Vater die flehenden Worte: "Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber! Jedoch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!"1 . Der erste Teil dieser Bitte ist ein Ausfluß der Schwäche, der zweite ein Beweis der Kraft . Das Verlangen2 entspringt unserem Wesen, die Bereitwilligkeit,3 , dem seinigen. Wußte doch der dem Vater wesensgleiche Sohn, daß bei Gott alles möglich ist. War er doch auch nicht ohne seinen eigenen Willen zur Übernahme des Kreuzes in diese Welt gekommen, so daß er gewissermaßen in einem Zustand der Verwirrung unter diesen verschiedenen miteinander im Kampfe liegenden Gefühlen zu leiden gehabt hätte. Nein, um den Unterschied zwischen der "annehmenden" und "angenommenen" Natur deutlich zu zeigen, sehnte sich das Menschliche4 nach göttlicher Kraft und behielt das Göttliche in ihm die Sache des Menschen im Auge. So unterwarf sich also der Wille der niedrigeren Natur dem der höheren. Rasch wurden wir dadurch belehrt, wie wir in unseren Nöten etwas5 erflehen können und dies doch nicht von dem, der uns heilen will, erfüllt zu werden braucht. "Weil wir nämlich nicht wissen, worum wir gebührenderweise beten sollen"6 , und es für uns zumeist von Vorteil ist, wenn unsere Wünsche nicht verwirklicht werden, so erweist uns der gerechte und gütige Gott gerade dadurch seine Gnade, daß er unsere Bitten unerhört läßt, wenn sie uns Schaden brächten. Um also unsere Wünsche in die rechten Bahnen zu leiten, stärkte uns der Herr dreimal durch sein Gebet. Dann sprach er zu seinen Jüngern, die noch immer von Kummer gebeugt waren: "Schlafet nunmehr und ruhet! Sehet, die Stunde ist gekommen, wo der Menschensohn in die Hände der Sünder überliefert wird! Stehet auf und lasset uns gehen! Sehet, er ist genaht, der mich verraten wird!"7 .

1: Mt 26,39
2: nach Hilfe
3: zu leiden
4: in Christus
5: von Gott
6: Röm 8,26
7: Mt 26,45f.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
Sermo I-V: Dankrede ...
Sermo VI-XI: Sechs ...
Sermo XII-XX: Neun ...
Sermo XXI-XXX: Zehn ...
Sermo XXXI-XXXVIII: ...
Sermo XXXIX-L: Zwölf ...
Sermo LI: Homilie übe...
Sermo LII-LXX: Neunzehn ...
. Sermo LII. 1. Predigt ...
. Sermo LIII. 2. Predigt ...
. Sermo LIV. 3. Predigt ...
. Sermo LV. 4. Predigt ...
. Sermo LVI. 5. Predigt ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. Sermo LVII. 6. Predigt ...
. Sermo LVIII. 7. Predigt ...
. Sermo LIX. 8. Predigt ...
. Sermo LX. 9. Predigt ...
. Sermo LXI. 10. Predigt ...
. Sermo LXII. 11. Predigt ...
. Sermo LXIII. 12. Predigt ...
. Sermo LXIV. 13. Predigt ...
. Mehr
Sermo LXXI-LXXII: Zwei...
Sermo LXXIII-LXXIV: ...
Sermo LXXV-LXXVII: ...
Sermo LXXVIII-LXXXI: ...
Sermo LXXXII-LXXXV: ...
Sermo LXXXVI-XCIV: ...
Sermo XCV-XCVI: Homilie ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger