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Hilarius von Poitiers († 367) - Kommentar zum Evangelium des Matthäus
Viertes Hauptstück

2.

„Selig sind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich.“ Durch sein Beispiel hatte der Herr gelehrt, daß man die Herrlichkeit der menschlichen Ehrsucht verlassen müsse, indem er sprach: „Den Herrn deinen Gott sollst du anbeten, und ihm allein dienen.“ Und da er schon durch die Propheten1 voraus erinnert hatte, daß er ein demüthiges und vor seinen Worten zitterndes Volk auserwählen werde, setzte er den Anfang der vollkommenen Se- [S. 71] ligkeit in die Demuth des Geistes. Diejenigen also, welche demüthig im Geiste sind, das ist, welche sich erinnern, daß sie Menschen sind, diese haben, in den Besitz des Himmelreiches versetzt, das Bewußtseyn, daß sie, von einem unreinen und sehr geringen Anfange ausgegangen, zu dieser Gestalt eines vollkommenen Körpers gediehen seyen, und zu diesem Sinne, mit welchem sie fühlen, sehen, urtheilen und handeln, dadurch, daß ihnen Gott Gedeihen gibt, gelangen; daß keinem etwas eigen sey, sondern daß Allen durch das Geschenk Eines Vaters sowohl der nämliche Anfang bei dem Eintritte in das Leben verliehen, als auch das Vermögen, dasselbe zu genießen, dargereicht werde; und daß wir nach dem Beispiele dieses Beßten, welcher uns dieses geschenkt hat, Nacheiferer seiner Güte, die er uns angedeihen ließ, seyn müssen; auf daß wir Allen gut seyen, Alles für Allen gemeinschaftlich ansehen, und uns weder durch Uebermuth zeitlichen Stolzes, noch durch Begierde nach Reichthum, noch durch Streben nach eitlem Ruhme verderben lassen; sondern daß wir Gott untergeben seyen, und uns hinsichtlich der Gemeinschaft des Lebens gegen Alle durch Liebe des gemeinschaftlichen Lebens fesseln lassen; und auch darin,2 daß wir geboren sind, eine künftige Wirkung der göttlichen Güte erblicken, deren Belohnung und Ehre durch die Werke des gegenwärtigen Lebens verdient werden muß; und so wird durch diese Demuth des Geistes, welcher zu Folge wir bedenken, daß uns von Gott nicht [S. 72] nur Alles verliehen wurde, sondern auch in der Folge noch Besseres werde gewährt werden, das Himmelreich unser seyn.

1: Isai. LXVI, 2.
2: Eben dieses sagt Hilarius noch deutlicher zum Psalm 118, § 1, auf diese Weise: „Denn Niemand ist so thöricht und unverständig, daß er glaubte, er sey, da er nicht war, darum geboren worden, damit er, nachdem er geboren wurde, wiederum nicht wäre; da wir doch unbezweifelt wissen, es sey aus Gottes Güte gekommen, daß er geboren wurde, und seine Güte sey nicht für die Bosheit empfänglich, daß er in uns dieses sein Geschenk, wodurch wir geboren werden, vernichte.“

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger