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Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Fünfundachtzigstes Hauptstück.

Aber man wird vielleicht entgegnen, es müsse darum verworfen werden, weil man es gewöhnlich unrichtig verstehe. Wenn wir dieses fürchten, so lasset uns ausstreichen, was in einem Briefe des Apostels gesagt ist:1 „Der Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus;“ weil sich dieser Stelle Photinus zur Begründung seiner Irrlehre bedient; und sie werde von uns nicht gelesen, weil sie von jenem unrichtig verstanden wird. Vertilgt werde auch der an die Philipper geschriebene Brief, entweder durch Feuer oder Schwamm; damit nicht in ihm Marcion wieder lese:2 „Und an Geberden wie ein Mensch [S. 38] erfunden;“ und behaupte, er sey nur Scheinbild des Körpers, nicht Körper. Es gebe kein Evangelium des Johannes mehr, damit nicht Sabellius daraus lerne:3 „Ich und der Vater sind Eins;“ und damit nicht diejenigen, welche jetzt lehren, er sey ein Geschöpf, diese Stelle in der Schrift haben:4 „Der Vater ist größer, als ich.“ Auch diejenigen, welche behaupten wollen, daß der Sohn dem Vater ungleich sey, sollen nicht mehr lesen können:5 „Von jenem Tage aber und der Stunde weiß Niemand, weder die Engel im Himmel, noch der Sohn; sondern nur der Vater.“ Auch die Bücher des Moses sollen nicht mehr da seyn, damit nicht die Finsterniß mit Gott, der das ungeborne Licht bewohnt, gleich ewig sey; weil in der Genesis nach der Nacht der Tag angefangen hat; damit nicht die Jahre des6 Methusala über die Zeit der Sündfluth hinausreichen, und nicht nur acht Seelen erhalten worden seyen; damit nicht Gott7 das Geschrei von Sodoma, nachdem das Maß der Sünden voll ist, höre, und gleichsam, als wüßte er das Geschrei nicht, herabsteige, um zu sehen, ob mit dem Geschrei das Maß der Sünden voll sey, und damit man nicht finde, Gott wisse nicht, was er wußte; damit auch Keiner von den Begrabenden8 das Grab des begrabenen Moses wisse, damit nicht diesem zu Folge, wie die Ketzer glauben, das verschiedene Gesetz sich selbst Feind sey. Und weil diese Dinge von diesen nicht verstanden werden, sollen sie von uns nicht gelesen werden. Vernichtet werden sollen auch, wenn es beliebt, (was ich nicht behaupten möchte, aber ich muß antworten), alle jene göttlichen und heiligen Evangelien des menschlichen Heiles, damit sie nicht, weil man von dem in denselben Gesagten entgegengesetzte Ansichten hat, selbst einander bekämpfen; damit man nicht [S. 39] lese, daß der Herr, welcher den heiligen Geist senden will, selbst von dem heiligen Geiste geboren sey; damit nicht der, welcher denen den Tod durch das Schwert voraussagt, die sich eines Schwertes bedienen werden, da er zu leiden im Begriffe ist, sage, man sollte ein Schwert kaufen; damit nicht der, welcher in die Vorhölle hinabsteigt, mit dem Missethäter im Paradiese sey: damit endlich nicht die Apostel schuldig befunden werden, welche, obwohl ihnen befohlen wurde, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes zu taufen, nur im Namen Jesu getauft haben. Denn zu euch, Brüder, zu euch, die ihr nicht mehr mit Milch genährt werdet, sondern durch starke Speise kraftvoll seyd, sage ich: Wollen wir etwa, weil dieses die Weisen der Welt nicht begreifen, und weil es diesen Thorheit ist, mit der Welt weise seyn, so daß wir dieses für Thorheit halten? Und sollen wir, weil dieses den Gottlosen Blindheit ist, nicht die Wahrheit der kehre begreifen und leuchten? Man hegt ein schlimmes Vorurtheil über heilige Dinge, wenn sie, weil sie von Einigen nicht für heilig gehalten werden, es nicht seyn dürfen. Wir sollen uns also des Kreuzes Christi nicht rühmen, weil es der Welt ein Aergerniß ist; wir sollen in dem lebendigen Gotte den Tod nicht verkünden, damit von den Gottlosen nicht behauptet werde, daß Gott gestorben sey.

1: I. Timoth. II, 5.
2: Philipp. II, 7.
3: Joh. X, 30.
4: Das. XIV, 28.
5: Marcus XIII, 32. Matth. XXIV, 36.
6: Genesis V, 26.
7: Daselbst XVIII, 21.
8: Deut. XXXIV, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger