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Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Neunundsiebenzigstes Hauptstück.

Sie täuschen, wie ich fürchte, und wie ich sehe, liebste Brüder, sie täuschen; denn sie haben immer getäuscht; und selbst jene jetzt vorliegende Unterschrift ist nicht ohne Falschheit. Denn sie führen zur Entschuldigung an, daß sie deßwegen gewollt haben, daß von dem Homousion und dem Homöusion geschwiegen werde, weil sie glaubten, es werde durch beide Wörter Eines und dasselbe bezeichnet. Die Bischöfe waren unwissend, glaube ich, und kannten die Bedeutung des Homousions nicht; als wenn hierüber noch nie eine Synode oder ein Streit Statt gefunden hätte. Doch es sey, sie haben das Homöusion nicht gekannt, oder sie wußten nicht, daß durch das Homöusion die Aehnlichkeit der Wesenheit bezeichnet werde. Wußten sie nun dieses nicht, warum wollten sie dann, daß man die Zeugung des Sohnes nicht wisse? Ist sie etwa darum, weil sie unerklärbar ist, auch unbekannt? Aber wenn man nicht weiß, wie er geboren ward, kann man dann auch dieses nicht wissen, daß der Sohn, Gott, nicht aus einer andern Substanz, sondern aus Gott geboren, keine verschiedene Wesenheit habe? Haben sie etwa nicht gelesen, daß man, wie den Vater, so auch den Sohn ehren müsse; so daß sie deßwegen dem Vater hinsichtlich der Ehre den Vorzug gaben? Wußten sie denn nicht, daß der Vater in dem Sohne gesehen werde, so daß der Sohn bei ihnen an Würde, Herrlichkeit und Majestät verschieden wäre? Rührte etwa auch dieses von der Unwissenheit her, daß der Sohn mit den übrigen Dingen dem Vater unterworfen seyn soll, damit er, da er mit [S. 31] dem Uebrigen unterworfen wird, von den übrigen Dingen nicht unterschieden werde? da doch die Unterwerfung des Sohnes natürliche Frömmigkeit, die Unterwerfung der übrigen Dinge hingegen Schwachheit des Geschöpfes ist. Daß er gelitten hat, wußten sie zwar; aber sie sollen sagen, ich bitte sie, wie sie zu der Kenntniß gekommen sind, daß er mitgelitten habe. Sie vermeiden das Homousion und das Homöusion, weil es nirgends geschrieben sey; ich frage, woher sie die Behauptung genommen haben, daß er mitgelitten habe? Oder wollen sie etwa, daß zwei seyen, welche gelitten haben? Denn dieses bezeugt das Mitleiden. Wo ist jenes: Jesus Christus der Sohn Gottes?“ Oder ist etwa ein Anderer Jesus Christus, ein Anderer der Sohn Gottes? Wenn nicht Einer und derselbe von Innen und Aussen Gottes Sohn ist; so glaubet im Homousion an Unwissenheit, wenn es erlaubt ist, dieses nicht zu wissen. Wenn aber gerade hierin selbst jene Unwissenheit gottlos ist, welche jedoch nicht, ja nicht einmal durch Unwahrheit, entschuldiget werden kann;1 so fürchte ich, daß das Glaubensbekenntniß auch das Nichtwissen des Homöusions2 fälschlich angebe. Ich beklage mich nicht gar sehr über die Nachsicht, welche ihr gewährt habt; es ist religiös, Gott das Seinige vorzubehalten, und Irrthum aus Unwissenheit ist menschlich. Aber verzeihen mögen mir nun die zwei Bischöfe, Valens und Ursacius,3 daß ich in Ansehung ihres Alters und ihrer Erfahrung nicht glaube, daß sie es nicht gewußt haben. Und es ist sehr schwer, nicht zu glauben, daß sie die Un- [S. 32] wahrheit sprechen, sie, welche sich in einer andern Sache4 nicht anders, als durch Lüge rechtfertigen können. Möge jedoch der Herr vielmehr dieses verleihen, daß wir eine unrichtige Ansicht hegen, als daß es jene gewußt haben. Denn ich will lieber für einen solchen angesehen werden, welcher eine unrichtige Meinung hat, als daß euer Glaube durch die Theilnahme an einer ketzerischen Meinung verletzt werde.

1: Hier geht Hilarius wieder auf das zurück, was er schon oben angab, indem er sagte: „Und selbst jene Unterschrift war nicht ohne Falschheit.“
2: Andere lesen „des Homöusions etc.“ sie wurden aber genöthigt, das Bekenntniß des Homöusions, nicht das des Homousions zu unterschreiben.
3: Sie waren nämlich bei der Versammlung zu Tyrus, und seither während 23 Jahren bei unzähligen Versammlungen, in welchen man über genannte Ausdrücke stritt.
4: Es wird hier auf das hingedeutet, was Valens und Ursacius nach der zu Sardika gehaltenen Synode an Julius schrieben, und worin sie ausdrücklich eingestanden, daß alles, was sie gegen den Athanasius ausgestreut hatten, nicht wahr sey.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger