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Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Achtundsiebenzigstes Hauptstück.

O ihr mit Eifer für die Lehre der Apostel und des Evangeliums erfüllte Männer, welche die Wärme des Glaubens in dem so dichten Dunkel der Nacht der Häretiker entflammt hat! Welche große Hoffnung zur Rückkehr des wahren Glaubens habt Ihr dadurch gewährt, daß ihr standhaft den Angriff des frechen Unglaubens zurückschlüget! Denn vorher wurde nur im Verborgenen und in Winkeln geläugnet, daß der Herr Christus der Natur nach Gottes Sohn sey, und die Lehre aufgestellt, er sey der väterlichen Wesenheit nicht theilhaft, sondern habe mit den Geschöpfen den Ursprung aus Nichts erhalten. Jetzt aber trat die Ketzerei mit einem öffentlich autorisirten Bekenntnisse hervor; jetzt1 brüstete sie sich siegreich mit dem, was sie vorher nur leise sagte. Denn auf welchen Schleichwegen suchte sie vorher nicht in die katholische Kirche einzuschleichen? Welche Macht der Welt entwickelte sie nicht bei dem Reize der falschen Religion? Denn die verkehrten Menschen gingen so weit, daß sie, da sie selbst dieses nicht öffentlich zu [S. 29] verkünden sich getrauten,2 doch den Kaiser hintergingen, so daß er es wagte. Denn sie täuschten den unwissenden König, so daß er, mit Kriegen beschäftiget, jenen Unglauben in einem Glaubensbekenntnisse auseinandersetzte, und, obwohl er noch nicht wieder geboren war, diese Glaubensformel den Kirchen auflegte. Diejenigen Bischöfe, welche widersprachen, nöthigten sie zur Verbannung. Denn sie zwangen uns zu dem Entschlusse, uns zu verbannen, indem sie uns ihre gottlose Lehre aufdringen wollten. Wir wollen jedoch immer in der Verbannung leben, wenn man nur anfängt, die Wahrheit zu verkündigen; denn dem Herrn sey Dank, daß der Kaiser, durch euch ermahnt, die Unwissenheit einsah, und den Irrthum, welchen nicht er, sondern seine Rathgeber3 begangen hatten, durch diese Erklärungen euers Glaubens erkannte, und sich vor Gott und den Menschen von der Schuld einer gottlosen Gesinnung befreite, indem er euere Gesandtschaft ehrenvoll behandelte, und die Falschheit derjenigen, durch deren Rath er sich verhaßt zu machen bewogen wurde, nachdem sie von euch4 zu dem [S. 30] Bekenntnisse ihrer Unwissenheit genöthigt worden waren, kennen lernte.

1: Nämlich nach der zu Sirmium gehaltenen Synode. Denn vorher, sagt Sulpicius Severus, Buch II, Seite 245, verheimlichten die Arianer ihren Unglauben; sie wagten es nicht, öffentlich das Dogma ihres Irrthumes zu verkündigen, und gaben sich für Katholiken aus. Hieher bezieht sich auch jene Stelle von Lucifer im ersten Buche für Athanasius, wo er dem Konstantius den Vorwurf macht, daß er sich benommen habe nach Art feiler Dirnen, welche Anfangs heimlich Unzucht trieben, nachher aber so unverschämt seyen, daß sie an öffentlichen Platzen Unzucht treiben wollen.
2: Sulplcius Severus erzählt im zweiten Buche, daß auf der Synode zu Mailand im Jahre 355 Valens, Ursacius und die übrigen aus Furcht vor dem Volke es nicht wagten, ihre Irrlehre zu bekennen, und daher unter dem Namen des Kaisers ein Schreiben schickten, voll Verruchtheit und Bosheit, in der Absicht, ihre Irrlehre, im Falle sie das Volk günstig aufnähme, wie auf öffentliches Verlangen vorzutragen, im entgegengesetzten Falle aber alle Schuld auf den König zu wälzen, die ihm gerne verziehen würde, weil er damals erst Katechumenus war, und daher das Geheimniß des Glaubens mit Recht noch nicht zu wissen scheinen konnte.
3: Nämlich des Eudoxius, Akacius, Uranius, Valens u. a., deren Irrlehre durch die Abgeordneten der ancyranischen Synode, durch den Basilius, Eustathius, Eleusius und Leontius nämlich, aufgedeckt, und von dem Kaiser sogleich verworfen wurde, wie Sozomenus B. 4. Hauptst. 12 u. 13 erzählt.
4: Nach einer andern Leseart „von uns.“

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger