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Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Dreiundsiebenzigstes Hauptstück.

Wenn wir also lehren, Liebste Brüder, daß der Sohn dem Vater in Allem ähnlich sey, so lehren wir nichts anders, als daß er ihm gleich sey. Die Aehnlichkeit bezeichnet eine vollkommene Gleichheit; und dieses kann man aus den heiligen Schriften ersehen. Wir lesen nämlich:1 „Es lebte aber Adam zweihundertdreißig Jahre, und zeugte da nach seinem Ebenbilde und seiner Aehnlichkeit, und nannte dessen Namen Seth.“ Ich frage nun, was für eine Aehnlichkeit und was für ein Ebenbild Adam als die seinige und das seinige in Seth gezeugt habe. Nimm die körperlichen [S. 24] Gebrechen weg, nimm weg den Anfang der Empfängniß, nimm weg die Schmerzen bei der Geburt und jedes menschliche Bedürfniß; ich frage, ob diese Achnlichkeit, welche in Seth ist, vermöge der Natur von dem Urheber verschieden sey, oder ob in jedem von Beiden eine Wesenheit anderer Art gewesen sey, so daß der Sohn Seth nicht die natürliche Wesenheit Adams gehabt hätte. Ja, er ist die Aehnlichkeit Adams, wenn wir es auch läugnen, weil die Natur nicht unähnlich ist. Die Aehnlichkeit der Natur aber hatte in Seth keine Natur anderer Art, weil Seth nicht anderswoher geboren ward; so macht die Aehnlichkeit der Natur die Dinge selbst gleich, durch die Aehnlichkeit der nicht verschiedenen Wesenheit. Ein jeder Sohn ist also der natürlichen Geburt zu Folge das Gleichbild des Vaters, weil er auch das ähnliche Bild seiner Natur ist. Auch der heilige Johannes lehrt, daß in der Natur des Vaters und des Sohnes, welche Moses in Seth und Adam Aehnlichkeit nennt, ebendieselbe Gleichheit der Natur sey; denn er spricht:2 „Darum trachteten die Juden noch mehr, ihn zu tödten, weil er nicht nur den Sabbat gebrochen, sondern sogar Gott seinen Vater genannt, und sich selbst Gott gleich gemacht habe.“ Warum legen wir in die Lehren und Worte so großer Männer von schweren Sünden starrende Gedanken? Und warum ermüden wir Verruchte gegen die Autorität der unumstößlichen Lehre, den stumpfen und frevelnden Verstand? Nach Moses ist Seth dem Adam ähnlich, nach Johannes ist der Sohn dem Vater gleich; und wir fragen noch nach irgend einem Dritten, zwischen dem Vater und dem Sohne, welches die Natur nicht zuläßt. Er ist dem Vater ähnlich, er ist der Sohn des Vaters, er ist aus ihm geboren. Durch dieses allein kann der Religion gemäß gelehrt werden, daß sie Eins sind. [S. 25]

1: Genes. V, 3, wo aber nicht zweihunderdreißig, sondern nur hundertdreißig Jahre angegeben sind.
2: Joh. V, 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger