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Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Dreiundsechzigstes Hauptstück.

Es darf euch aber nicht sonderbar dünken, liebste Brüder, daß man so oft angefangen hat, Glaubenserklärungen zu geben; diese Nothwendigkeit wird durch die Ketzerwuth herbeigeführt. Denn so groß ist die Gefahr der orientalischen Kirchen, daß selten Priester oder Gemeinden gefunden werden, welche diesem Glauben anhängen; und urtheilet darüber, wie er beschaffen ist. Denn unglücklicher Weise ist durch Einige der Gottlosigkeit Ansehen verschafft worden; und durch die Verbannungen der Bischöfe, derer Sache ihr wohl kennet, ist die Macht der Gottlosen vermehrt worden. Ich rede nicht Fremdes, und schreibe nicht Unbekanntes: gehört und gesehen habe ich die Fehler der Anwesenden, [S. 14] nicht der Laien, sondern der Bischöfe. Denn mit Ausnahme1 des Bischofes Eleusius und Weniger mit ihm, kennen größtentheils zehn Provinzen Asiens, innerhalb derer ich mich aufhalte, in Wahrheit Gott nicht. Und o möchten sie ihn doch lieber gar nicht kennen; denn sie würden leichter Verzeihung erlangen, wenn sie ihn nicht kennen würden, als wenn sie ihn zu erniedrigen suchen. Aber der Schmerz dieser Bischöfe beschränkt sich nicht auf das Stillschweigen, sondern sucht die Einheit dieses Glaubens, welche er schon lange durch andere verloren hat. Denn jene zuerst gegebene Glaubens-Auslegung war dadurch nothwendig geworden, weil zu Sirmium durch den Osius, welcher sich an seine Werke und Worte nicht mehr erinnerte, die Lehre einer [S. 15] neuen und doch schon lange eiternden Gottlosigkeit ausgebrochen war. Doch von ihm sage ich nichts, da er darum aufbehalten ist, daß es von dem menschlichen Urtheile nicht verkannt werden möchte, wie er zuvor gelebt hatte. Ueberall aber gibt es Aergernisse, überall Spaltungen, überall Unglauben. Daher kommt es, daß Einige von denen, welche vorher etwas anders unterzeichnet hatten, zur Unterschreibung des Glaubensbekenntnisses gezwungen wurden. Ich klage nicht über die höchst geduldigen Männer, die orientalischen Bischöfe, welchen nach dem Willen der Gotteslästerer wenigstens ein erzwungenes Glaubensbekenntniß genügte; denn es scheint, man müsse sich freuen, wenn bei dem so hartnäckigen Beharren der Gott lästernden Bischöfe auf ihren Irrlehren irgend ein Reuiger unter ihnen gefunden wird. Aber o ihr während dieser Vorgänge in dem Herrn seligen und ruhmvollen Männer! die ihr den vollkommenen und apostolischen Glauben in dem Herzen und dem Munde behaltet, und die niedergeschriebenen Glaubensformeln bisher nicht kennet; denn ihr bedurftet keines Buchstabens, die ihr am Geiste Ueberfluß hattet. Ihr hattet nicht den Dienst der Hand zum Schreiben nöthig, die ihr das, was im Herzen von euch geglaubt wurde, mit dem Munde zum Heile bekanntet. Ihr hattet nicht nöthig, das als Bischöfe zu lesen, was ihr als wieder geborne Neophyten wußtet. Aber die Nothwendigkeit hat die Gewohnheit herbeigeführt, Glaubensbekenntnisse auseinanderzusetzen, und die auseinandergesetzten zu unterschreiben. Denn wo der Inhalt des Glaubens Gefahr läuft, dort wird der Buchstabe gefordert. Und gewiß ist das Niederschreiben desjenigen nicht hinderlich, dessen Bekenntniß heilvoll ist.

[S. 16]

1: Eleusius, aus Cygicus in Propontis, stand am Ende des vierten Jahrhunderts, zur Zeit des Theodosius I. einer Gemeinde der Sekte des Macedonius vor. Epiphanius, Häret. 73, § 23, zählt ihn unter die Semiarianer. Auch Sokrates tadelt ihn im II. Buche, 40. Hauptst. Sozomenus, Buch IV, Kap. 15, bezeugt, Eleusius habe den Leberius dazu veranlaßt, daß er das Homousion verwarf; und er habe, wie auch Sokrates, Buch II, Kap. 38, schreibt, dieselben Grausamkeiten, wie Macedonius ausgeübt, ja sogar, wenn man dem Zeugnisse des Sozomenus Glauben schenken darf, die Vertheidiger der Consubstantialität verfolgt. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, daß ihm Sokrates und Sozomenus diese Grausamkeit wegen dessen zuschrieben, was er zur Unterdrückung der Novatianer gethan hat. Und zwar läugnet Sozomenus nicht, daß Eleusius einen sanftern Charakter, als Macedonius gehabt, und einen guten und reinen Lebenswandel geführt habe. Wegen seines unbescholtenen Wandels also nimmt ihn Hilarius von denen aus, welche Gott nicht kannten, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß er sich nicht zu dem nicänischen Glauben bekannte; er sah vielmehr darauf, daß er sich ihm doch wenigstens annäherte, und gegen die Anomöer stritt. Denn da Aetius in Syrien, und Photinus in Illyrikum und andern Provinzen die Gottheit des Sohnes läugneten; fing man an, auch jene Bischöfe für katholisch und Vertheidiger der Gottheit Christi zu halten, welche sich diesen Häretikern widersetzten; und damals galt, wie Gregor von Nazianz sagt, eine geringere Gottlosigkeit noch einigermaßen für Gottseligkeit.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger