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Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Achtunddreissigstes Hauptstück.

„Wir glauben an Einen Gott Vater, allmächtigen Schöpfer und Bildner, aus dem alle Vaterschaft im Him- [S. 386] mel und auf Erden den Namen hat. Und an seinen einzigen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, welcher vor allen Zeiten aus dem Vater geboren worden ist, den Gott aus Gott, das Licht aus dem Lichte, durch welchen Alles gemacht ist im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare. Welcher das Wort, die Weisheit, die Kraft, das Leben und das wahre Licht ist; der in den jüngsten Tagen um unsertwillen einen Körper angenommen hat, und geboren ward aus der heiligen Jungfrau, und gekreuziget worden, gestorben und begraben worden ist; welcher auch auferstanden ist von den Todten am dritten Tage, und aufgefahren in den Himmel, und sitzet zur Rechten des Vaters, und kommen wird am Ende der Welt, zu richten die Lebendigen und die Todten, und zu vergelten einem Jeden nach seinen Werken; dessen Reich ohne Ende fortbesteht und fortdauert in ewigen Zeiten. Denn er wird sitzen zur Rechten des Vaters, nicht allein in dieser Zeit, sondern auch in der künftigen. Und an den heiligen Geist, das ist, den Tröster, welchen er den Aposteln verheißen, und, nachdem er in den Himmel aufgefahren ist, gesandt hat, sie zu lehren und an Alles zu erinnern, durch welchen auch die Seelen derer geheiliget werden, die aufrichtig an ihn glauben.“

I. „Diejenigen aber, welche sagen: Der Sohn ist aus Nichts, oder von einer andern Substanz, und nicht aus Gott; und daß eine Zeit war, oder ein Jahrhundert, wo er nicht war; diese erkennt die heilige und katholische Kirche als Abtrünnige.“

II. „Wenn aber Jemand den Vater und Sohn zwei Götter nennt; so sey er verflucht.“

[S. 387] III. „Und wenn Jemand zwar behauptet, daß Ein Gott sey, aber nicht bekennt, daß Christus, Gott, von Ewigkeit der Sohn Gottes, dem Vater bei der Schöpfung aller Dinge Beistand geleistet habe; so sey er verflucht.“

IV. „Und wenn es Jemand wagt, zu sagen, der ungeborne Gott, oder ein Theil desselben, sey aus Maria geboren worden; so sey er verflucht.“

V. „Und wenn Jemand sagt, der Sohn sey dem Vorherwissen oder der Vorherbestimmung nach1 aus Maria, und nicht vor den Zeiten aus dem Vater geboren, bei Gott, und nicht Alles sey durch ihn gemacht worden; so sey er verflucht.“

VI. „Wenn Jemand sagt, die Substanz Gottes könne ausgedehnt und zusammengezogen werden; so sey er verflucht.“

VII. „Wenn Jemand sagt, die ausgedehnte Substanz Gottes mache den Sohn; oder wenn er die Ausbreitung der Substanz Gottes, wie es ihm gut dünkt, Sohn nennt; so sey er verflucht.“

VIII. „Wenn Jemand das inwohnende und ausgesprochene Wort Gottes Sohn nennt; so sey er verflucht.“

IX. „Wenn Jemand den bloßen Menschen aus Maria Sohn heißt; so sey er verflucht.“

X. „Wenn Jemand sagt, Gott und Mensch sey aus Maria geboren worden, und von dem ungebornen Gott diese Ansicht hat; so sey er verflucht.“

XI. „Wenn Jemand, da erhört: „Das Wort ist Fleisch geworden,“ glaubt, das Wort sey in Fleisch verwandelt worden, oder es habe eine Veränderung erlitten, als es Fleisch annahm; so sey er verflucht.“

[S. 388] XII. „Wenn Jemand, da er hört, der einzige Sohn Gottes sey gekreuziget worden, behauptet, seine Gottheit habe Zerstörung, oder Leiden, oder Veränderung, oder Tod gelitten; so sey er verflucht.“

XIII. „Wenn Jemand sagt, der Vater habe die Worte: „Lasset uns den Menschen machen,“ nicht zu dem Sohne gesprochen, sondern Gott selbst habe sie zu sich selbst gesprochen; so sey er verflucht.“

XIV. „Wenn Jemand sagt, nicht der Sohn sey dem Abraham erschienen, sondern der ungeborne Gott, oder ein Theil desselben; so sey er verflucht.“

XV. „Wenn Jemand sagt, mit Jakob habe nicht der Sohn als Mensch gerungen, sondern der ungeborne Gott, oder ein Theil desselben; so sey er verflucht.“

XVI. „Wenn Jemand die Worte:2 „Es regnete der Herr von dem Herrn,“ nicht von dem Sohne, und dem Vater versteht, sondern sagt, er habe selbst von sich geregnet; so sey er verflucht. Denn der Herr, der Sohn, hat von dem Herrn, dem Vater, geregnet.“

XVII. „Wenn Jemand den Herrn und den Herrn, den Vater und den Sohn, (weil der Herr von dem Herrn geregnet hat), zwei Götter nennt; so sey er verflucht. Denn wir machen oder stellen3 hier den Sohn dem Vater nicht gleich, sondern nehmen ihn als unterworfen an. Denn er ist weder auf Sodoma herabgestiegen ohne den Willen des Vaters, noch hat er aus sich selbst geregnet, sondern von dem Herrn, das heißt, auf Veranlassung des Vaters; noch sitzet er zur Rechten von sich selbst, sondern er hört den Vater sagen:4 „Setze dich zu meiner Rechten.“

[S. 389] XVIII. „Wenn Jemand den Vater, den Sohn und den heiligen Geist Eine Person nennt, so sey er verflucht.“

XIX. „Wenn Jemand den heiligen Geist den Tröster nennt, und den ungebornen Gott darunter versteht; so sey er verflucht.“

XX. „Wenn Jemand, so wie uns der Herr gelehrt hat, den Tröster nicht von dem Sohne verschieden nennt, denn er sprach:5 „Und einen andern Tröster wird euch der Vater senden, um den ich ihn bitten werde;“ so sey er verflucht.“

XXI. „Wenn Jemand den heiligen Geist einen Theil des Vaters oder des Sohnes nennt; so sey er verflucht.“

XXII. „Wenn Jemand den Vater, den Sohn und den heiligen Geist drei Götter nennt; so sey er verflucht.“

XXIII. „Wenn Jemand die Worte:6 „Ich bin der erste Gott, und ich bin der letzte Gott, und ausser mir ist kein Gott,“ welche zur Zernichtung der Götzen, und derer, die nicht Götter sind, gesprochen wurden, nach der Weise der Juden als zur Zernichtung des vor den Zeiten geborenen eingebornen Gottes gesagt ansieht; so sey er verflucht.“

XXIV. „Wenn Jemand den Sohn, wie irgend Etwas von einem Geschöpfe, nach dem Willen Gottes gemacht nennt; so sey er verflucht.“

XXV. „Wenn Jemand behauptet, der Sohn sey, ohne daß es der Vater wollte, geboren worden; so sey er verflucht. Denn der Vater hat nicht aus Zwang, oder aus natürlicher Nothwendigkeit, da er nicht wollte, den Sohn gezeugt; sondern er hat ihn, sobald er wollte, ohne Zeit und ohne Empfindung aus sich gezeugt.“

XXVI. „Wenn Jemand behauptet, daß der Sohn ungeboren und ohne Anfang sey, und zwei Götter macht, indem er sagt, daß es zwei Wesen ohne Ursprung, zwei [S. 390] Wesen, die nicht geboren werden konnten und nicht geboren wurden, gebe; so sey er verflucht. Denn das Haupt, welches der Ursprung aller Dinge ist, ist der Sohn; das Haupt aber, welches der Ursprung Christi ist, ist Gott; denn so führen wir auf den Einen, welcher ohne Ursprung ist, den Ursprung aller Dinge, so auf ihn durch den Sohn alle Dinge zurück.

XXVII. „Und indem wir abermals die Ansicht des Christenthumes bekräftigen, sagen wir: Wenn Jemand behauptet, Christus, Gott, sey als Gottes Sohn nicht vor den Zeiten gewesen, und habe dem Vater bei der Vollendung aller Dinge nicht Dienste geleistet, sondern er sey erst Christus und Sohn genannt worden, seitdem er aus Maria geboren ward, und habe erst seit dieser Zeit angefangen Gott zu seyn; so sey er verflucht.“

1: Hilarius liest hier mit Sokratrs: „ἐκ Μαρίας“ wofür Athanasius πρὸ Μαρίας“ liest. Und gewiß würde es weit passender seyn, vor Maria zu lesen, so daß der Fluch denjenigen träfe, welcher behauptet, daß Christus vor seiner Geburt aus Maria kein anderes Daseyn gehabt habe, als durch Vorherwissen, πρόγνωσις.
2: Genes. XIX, 24.
3: Hilarius drückt hier das griechische Wort: „Συντάσσομεν“ durch „Exaequamus vel conformamus“ (nach Andern „comparamus“) aus; wie er auch oben das Wort: „Πρόγνωσιν“ durch „Praescientiam vel Praedestinationem“ gab, gleichsam ungewiß, welches Wort hier passender wäre. «)
4: Psalm CIX, 1.
5: Johann. XIV, 16.
6: Isai. XLI, 4. XLIV, 6. XLVIII, 12. Offenb. I, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger